Oslo-Gebiet  -  Vulkanite  -  Ignimbrite

Verschweißte Ignimbrite (Schmelztuffe) entstehen als pyroklastische Ablagerungen bei plinianischen (explosiven) Eruptionen aus extrem heißen Glutwolken. Die Wortbedeutung verweist auf die Entstehung: Ig-nim-brit = ist (vereinfacht) ein aus einer vulkanischen Feuerwolke entstandenes Gestein. Verursacht wird ein solch explosiver Ausbruch durch ein zähflüssiges, gasreiches Magma, das in der Magmakammer zunehmend hohen Druck aufbaut. Ignimbrite verschweißen auf Grund der hohen Temperaturen bereits bei der Ablagerung. Sie zeigen oft dadurch bedingte Schmelzstrukturen oder Fiammen (= linsenförmig flachgedrückte oder schlierige Bimsstein- oder Glasfetzen).


Nicht verschweißte Ignimbrite (Lapillituffe) entstehen durch Schuttfall oder durch Ablagerung aus weniger heißen pyroklastischen Strömen. Sie verfestigen sich erst nachfolgend zu mehr oder weniger kompakten Gesteinen und zeigen im Gefüge keine Schmelzstrukturen.
Auch sie enthalten wie die Schmelztuffe nicht nur Schlacke, Bims und vulkanisches Glas, sondern auch verschiedenste Fremdgesteinsfragmente  -  in einer feinkörnigen, oft hellen, zementierten Aschematrix.

Im Unterschied zu den Lapillituffen mit bis 25 % kleinen Gesteinsfragmenten und bis 75% Asche bestehen Lapillisteine fast ausschließlich aus zusammen zementierten Gesteins-fragmenten. Der Ascheanteil, wenn vorhanden, ist gering.

Diese drei Typen pyroklastischer Gesteine treten im Oslo-Gebiet in vielen Varianten auf, insbesondere die Ignimbrite. Nachfolgend Beispiele:
 
 
Ignimbrite (Schmelztuffe, ash-flow tuffs) mit mehr oder weniger deutlichen Schmelzstrukturen
ein Handstück aus dem Anstehenden und div. Nahgeschiebe:
Vestfold-Ignimbrit, in situ
aschereicher Ignimbrit Ignimbrit fiammenreicher Ignimbrit
schlieriger Ignimbrit  rotschlieriger Ignimbrit rotschlieriger Ignimbrit braunschlieriger Ignimbrit
heller Oslo-Ignimbrit  "violetter" Ignimbrit dunkler Ignimbrit brekziöser Ignimbrit
     
brekziöser RP-Pyroklast      
einer Caldera zuzuordnen:
Bordvika-Ignimbrit
Bordvika-Ignimbrit
quarzarmer Typ
Drammen-Ignimbrit
Glitre-Ignimbrit

Glitre-Ignimbrit Oppkuven-Ignimbrit Lathus-Ignimbrit Lathus-Ignimbrit
 
Nicht oder gering verschweißte, aschereiche Ignimbrite (Lapillituffe, ash-fall tuffs):
Handstück und Geschiebe:
NG Steinvik, N   Lapillituff is Glitre  FO: Bulbjerg Klint DK  NG Slagentangen, N
FO: Lild Strand, DK NG: Storsand, N NG Verket, N Lapillituff, is Krokskogen
       
Lapillisteine (nicht verschweißte, lapillireiche, aschearme Ignimbrite/Pyroklastika): 
FO: Behrensdorfer Strand, OH NG Steinvik, Tofte, N
FO: Storsand, Hurum, N
  FO: Hanklit, Thisted Bredning DK
   
FO: Schönberger Strand, SH  FO: Lungby Strand, DK

FO: Hanklit, Thisted Bredning DK      
         
 
Hinsichtlich der Verwendung bzw. Eingrenzung des Begriffes "Ignimbrit" ein Abschnitt aus https://de.wikipedia.org/wiki/Ignimbrit :
"...In der älteren Literatur ist der Begriff im Allgemeinen auf die durch hohe Temperaturen nach der Ablagerung verschweißten Sedimente eines pyroklastischen Dichtestroms („Schmelztuffe“) beschränkt. Aber nicht alle pyroklas-tischen Dichteströme sind heiß genug, damit es zur Verschmelzung der Komponenten nach der Ablagerung kommt. Deshalb bezeichnet der Begriff in der heutigen Literatur verschmolzene und unverschmolzene, bims- und aschereiche, unverfestigte und verfestigte Ablagerungen von pyroklastischen Dichteströmen; d. h. nach dieser erweiterten Definition sind Ignimbrite asche- und bimsreiche pyroklastische Fließablagerungen. Diese recht weite und unscharfe Definition ist jedoch in der Vulkanologie nicht unumstritten und nicht einheitlich.
In der Petrographie wird unter Ignimbrit eine schlecht sortierte, verfestigte Ablagerung oder ein Gestein (auch als Schmelztuff bezeichnet) verstanden, das aus einem pyroklastischen Dichtestrom entstanden ist.
Die IUGS-Subkommission für magmatische Gesteine empfiehlt den Begriff für verhärtete Tuffe, die aus Kristallen und Gesteinsfragmenten in einer Matrix aus intensiv verbackenem Glasscherben bestehen, zu verwenden.
 
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 410: 
"... Die im Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität gebildete Brekzie und der Ignimbrit kommen im Oslo-Gebiet an mehreren Stellen vor. Geschiebe sind als Leitgeschiebe zu verwenden, wenn Einschlüsse von bekannten Oslo-Gesteinen enthalten sind. Anders als beim Rhombenporphyr-Konglomerat handelt es sich um harte Gesteine, die der Verwitterung gut standhalten. In Geschieben ist von Lineatur gewöhnlich nichts zu merken. Die Typen mit einer Art Paralleltextur sind als Agglomeratlava zu betrachten (siehe Abb. 14 in Schuddebeurs 1987). Die mitunter etwas arkoseartige, braunrote oder violettbraune Grundmasse besteht (mikr.) aus Ascheteilchen von variabler Form und Größe. Auch die Einschlüsse sind von sehr unterschiedlicher Größe: von einigen mm bis viele cm. Die Form ist stark eckig bis eckig abgerundet. Funde dieses harten Vulkanits, allerdings nicht immer mit Rhombenporphyr-Bruchstücken, sind in Gebieten mit vielen Oslo-Erratika (Ostfriesland und der Hümmling in Deutschland) ziemlich häufig. Die nicht-norwegische Literatur stiftet Verwirrung: die als Rhombenporphyr-Konglomerat bezeichneten Geschiebe (Hellinga 1972, 1980 und Milthers 1972) sind Vulkanite oder Subvulkanite. Gripp (1970) weist zu Recht auf die unrichtige Zuordnung des Begriffs „Rhombenporphyr-Konglomerat“ hin (siehe dort). In Wirklichkeit handelt es sich um zum Teil aus Glutwolken abgesetzten und danach gesinterten („festgebackenen“) feinen oder groben Gesteinsgrus..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
       
Literatur:
Smed P. 2002: Steine aus dem Norden. Borntraeger, Berlin
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Hinweis:
Arildskov, H. & Jensch, J.-F. 2015: Ignimbrite aus dem Oslo-Rift in: Geschiebekunde aktuell 31. S. 35-50
 
 
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