Schweden  -  Magmatite  -  Karlshamn-Granit

Der Karlshamn-Granit gehört mit anderen Blekinge-Graniten (Vånga-, Halen-, Spinkamåla-) zu den jüngsten Graniten des schwedischen Grundgebirges. Er intrudierte vor etwa 1450 Mio. Jahren  im Zuge der dano-polonischen Orogenese in ältere präkambrische Gesteine. In den Massiven können daher mitgeschleppte Gneis-Xenolithe auftreten.
Die Erscheinungsform kann variieren (siehe Bildbeispiele), auch innerhalb der beiden Vorkommen. In der Umgebung von Eringsboda treten im Allgemeinen mehr oder weniger deutlich weiß geringte Feldspat-Megakristalle auf.
Gut geeignet als Leitgeschiebe sind die porphyrischen Formen mit deutlichen Megakristallen sowie der weiß geringte Eringsboda-Typ.

Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, Universität Greifswald u. a.:
aus dem südlichen Vorkommen (zwischen Karlshamn und Ronneby):
Karlshamn granite
N Ronneby  N Ronneby N Ronneby E Ronneby
Karlshamn-Granit Karlshamn-Granit
 E 22, Galtsjön  W Ronneby Backarydsvägen Vettekulla E Karlshamn
Karlshamn-Granit Karlshamngranit karlshamn granite
Hällaryd NE Karlshamn Hoby Kulle S Bräkne-Hoby Ǻryd
     
Järnavik      
aus dem nördlichen Vorkommen (um Eringsboda):
Karlshamn granite Karlshamn granite karlshamn-Granit Karlshamngranit
W Eringsboda W Långasjö Eringsboda W Holmsjö
 
W Sillhövda Nagleryd   SW Eringsboda  
Geschiebe:      
FO: Rauen, Brandenburg FO: Møn, DK FO: Todendorf, OH FO: Saruphav, Als, DK
       
 
Beschreibung aus J. G. Zandstra 1988 (s. u. ) S. 340:
Karlshamn-Granit
"...In der älteren Literatur wird der Karlshamn-Granit (auch Jämshög-Granit) als „Augen“(gneis-)granit von Blekinge bezeichnet. Es handelt sich gewöhnlich um Gesteine mit einer ansehnlichen Anzahl an bis 1-5 cm, stellenweise sogar bis 10 cm langen, blassroten, rotgrauen oder grauen Mikroklintafeln und einer mäßigen Anzahl kleinerer Plagioklaskristalle. Plagioklas tritt auch als Korona um den Mikroklin auf. Der Mikroklin (häufig Karlsbader Zwillinge) ist zumeist einigermaßen idiomorph; die Ränder verlaufen allerdings eigenwillig. Die Tafeln enthalten Einschlüsse aus Plagioklas oder aus Umwandlungsprodukten dieses Minerals (Epidot, Serizit).

..."Der Haupttypus des Karlshamn-Granits hat eine grobkörnige Grundmasse, sie umgibt eine große Menge Feldspat-Megakristalle. Außer Feldspat enthält die Matrix ziemlich viel Biotit, manchmal gemeinsam mit Hornblende, und dunklen, grauen, violetten, blauen oder fein granuliertem „weißen“ Quarz. Gewöhnlich sind auch Spuren von Titanit, Apatit und Erz (Magnetit) vorhanden. Das Gestein ist massiv oder zeigt, wenn es aus dem Rand des Massivs stammt, eine schwache Paralleltextur. In letztem Fall enthält es linsenförmige Biotit-Konzentrationen, Feldspat"augen" und Mörtelbildungen. Von einem echten Gneis kann keine Rede sein. Nach Norin (1936) geht die vorhandene Linierung nicht auf regionale Metamorphose zurück sondern auf Fließbewegungen des Magmas während der Erstarrung. Das Auftreten von zerdrückten Mineralen ist die Folge regionalen Drucks. Die Zusammensetzung des Haupttypus von Kallinge, in Gewichtsprozent (Norin 1959): Quarz 21,5, Mikroklin und Plagioklas 65,7, Biotit 9,1, Titanit und Apatit 1,4 und Magnetit 2,3. Siehe auch Norin 1957.
Eringsboda-Granit oder Långasjö-Granit in Nordost-Blekinge ist die bekannteste Varietät des Karlshamn-Granits, mit einer vom Haupttypus etwas abweichenden Textur und Korngröße. Auch hier treten mehr oder weniger abgerundete Kalifeldspäte auf, manche haben einen Plagioklasmantel. Das sehr grobkörnige, graurote oder rote Gestein fällt durch die Größe (Länge 1-10 cm) und große Zahl (oft mehr als 30 Vol%) der Kalifeldspäte auf. Die weiße Korona aus Plagioklas um diese Feldspäte bewirkt ein rapakiviähnliches Aussehen, besonders bei den Typen mit reichlich dunklen Mineralen. Es kommt auch weißer Plagioklas mit einer farbigen Ummantelung von Kalifeldspat vor. Viele der Feldspateinsprenglinge weisen konzentrisch eingelagerte Biotiteinschlüsse auf (Wiklander 1974). Der Gehalt an eigenständigem Biotit ist niedriger als im Haupttypus des Karlshamn-Granits.
Die sehr großen Kalifeldspäte sind das Ergebnis der Haupt-Erstarrungsphase. Die Zwischenmasse besteht vor allem aus Plagioklas, Quarz, Biotit und (in Ausnahmefällen) Hornblende. Titanit ist der wichtigste Nebenbestandteil; zuweilen tritt auch Orthit auf.
Yasjö-Granit ist ein Äquivalent des Eringsboda-Granits, von dem er sich im Wesentlichen durch einen höheren Gehalt an Biotit und Hornblende unterscheidet. Mitunter sind Merkmale kataklastischer Deformation wahrzunehmen (u. a. Zuckerkörnigkeit des Quarz’), aber auch die Auswirkungen regionaler Deformation (gebrochene, eirunde Kristalle, langgestreckte Quarzkörner und -aggregate).
Weitere Merkmale: Grundmasse-Einschlüsse in den großen Feldspäten, Plagioklas im Kern der Kalifeldspat-Kristalle, zonarer Plagioklas sowie das Auftreten von akzessorischen Mineralen wie Titanit, Apatit, Epidot und Flussspat..."
Zandstra  J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988 S. 340

Literatur: 
Habetha E. 1936: Tektonische und gefügekundliche Untersuchungen am Karlshamner Granitmassiv, Abhandlungen aus dem geologisch-palaeontologischen Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald 16 S. 1-34
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen. S. 56
Holmquist P. J. 1906: Studien über die Granite von Schweden, Bulletin of the Geological Institutions of the University of Upsala 1906 S. 114
Johansson Å. et al. 2006: A revised geochronology for the Blekinge Province, southern Sweden,  GFF 128, 4 S. 287-302
Kornfält K.-A. 1999: Beskrivning till berggrundskartan 3F Karlskrona SO, SGU-AF V 205, Uppsala; 59 Seiten
Lundegårdh H. 1971: Neue Gesichtspunkte zum schwedischen Präkambrium, Geologische Rundschau 60, 4
Zandstra  J. G. 1988:  Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra  J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden, Nr. 210, 211
siehe auch www.kristallin.de

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