Schweden  -  Magmatite  -  Nordingrå-Rapakivigranit


Das Küstengebiet von Nordingrå zeigt auf engem Raum eine Reihe geologisch interessanter Gesteine. Grund ist das zeitnahe Aufdringen unterschiedlicher Magmen, eines silikatreichen Granitmagmas (Nordingrå-Rapakiwi) und einer dunklen gabbroiden Schmelzmasse. Neben verschiedenen granitoiden Ausprägungen treten Mischgesteine und Übergangsformen auf. Siehe auch Nordingrå-Anorthosit und Ångermanland-Syenitgabbro. Die Bezeichnungen "Nordingrå"- oder "Ångermanland"- im Namen zielen jeweils auf dasselbe Gestein. In der älteren schwedischen (Holmquist) und in der deutschen Geschiebeliteratur wird überwiegend die allgemeinere Bezeichnung "Ångermanland" verwendet. Die schwedische Fachliteratur bezieht sich grundsätzlich auf den "Nordingrå"-Komplex. Er besteht aus einem großen Intrusionskörper mit einem Durchmesser von ca. 90 km sowie mehreren kleineren Rapakiwi-Vorkommen. Das Alter wurde wie die südöstlich gelegenen finnischen Rapakiwi-Massive zwischen 1590 und 1540 Mio. Jahre datiert.

Der Nordingrå-Rapakivi ist "Landskapsten" der Provinz Ångermanland. Die von der SGU gegebene Beschreibung lautet: "Der Landschafts-Stein von Ångermanland, der Nordingrå-Granit, ist ein kräftig rotfarbiger, grobkristalliner Granit, der in den hohen Bergwänden am Ullångerfjärden ansteht. Der Nordingrå-Granit ist mit den finnischen Rapakivis verwandt (der Name bedeutet bröckliges Gestein) und ihren jämtländischen Entsprechungen. Der Nordingrå-Granit ist etwas jünger als sie  -  rund 1550 Mio Jahre - aber für sie alle ist typisch das Auftreten von zentimetergroßen Einsprenglingen aus hellrotem Kalifeldspat mit einem grauen Plagioklassaum. Das lässt diese Granite sehr dekorativ erscheinen, und der Rapakivi ist international begehrt als Fassadenstein, als Bodenbelag, als Tresen- und Tischplatten."
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Universität Greifswald, Geozentrum Hannover, BGR Berlin u. a.:
Festland von Ångermanland:
Norrgansta Docksta N Docksta Norrgansta
Köpmanholmen Köpmanholmen Köpmanholmen Porphyrgranit
Ångermanland-Rapakiwi Ångermanland-Rapakiwi Ångermanland-Rapakiwi Ångermanland-Rapakiwi
S Skuleberget Halbinsel Värns E Vibyggerå             Halbinsel Värns E Vibyggerå  Halbinsel Värns E Vibyggerå
Nordingrå:      
Nordingrå-Rapakiwi Nordingrå-Granit
SW Mjällom, Omnefjärden Mjällomsviken  Steinbruch E Mjällom Ostufer Ramstafjärden
Nordingrå-Rapakiwi      
Vassböle      
Insel Ulvö:      
 
N Ulvön Ulvön, Nordseite Ulvön, Ostseite  
Geschiebe:
FO: Johannistal FO:  Frörupsand FO: Hubertsberg, OH FO. Steinitz

Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 133:
"... Ångermanland-Rapakivi: Matrix feinkörnig, graurot, mitunter dunkelrot, nie braunrot; wenige Einsprenglinge aus hellrotem, einschlussreichem Feldspat, meist eckig oder eckig abgerundet, ohne Plagioklasmantel; vereinzelt ein runder Quarzeinsprengling; die Grundmasse häufig mikropegmatitisch; Mikropegmatit auch als äußerst feine Randzone von Orthoklaseinsprenglingen; Plagioklas unauffällig; dunkle Minerale bilden kleine Anhäufungen; ein Gestein mit wenig Glanz.
Das Rapakivi-Massiv im Küstengebiet von Nordingrå hat Gesteine geliefert, die sicher nicht in allen Fällen von anderen Rapakivigraniten zu unterscheiden sind. Vor allem mit dem Åland-Granit  besteht bisweilen eine starke Übereinstimmung, obwohl die Farbe niemals braunrot ist wie bei diesem. Nach Lundbohm (1899) und Holmquist (1906) kommen sowohl mikropegmatitreiche Granitporphyre als auch echte, fein- bis mittelkörnige Granite vor.
Ångermanland-Porphyrgranit
hat eine gewöhnlich feinkörnige, hell ziegelrote Grundmasse. In ihr liegen einige größere, hellrote, rundliche oder mehr oder weniger rechteckige Orthoklaskristalle, die nur ausnahmsweise von einem Saum aus gelblichem Plagioklas umgeben sind, sowie einzelne graue, seltener blaugraue Quarze. Hornblende und Biotit bilden zusammen Aggregate: Zirkon, Apatit und Erzkörner werden als Akzessorien genannt. Die Orthoklaseinsprenglinge sind sehr reich an meist zonar aufgebauten Einschlüssen. Die Quarzeinsprenglinge scheinen gerundet zu sein, die eigene Form ist jedoch noch gut der Anlage nach zu erkennen. Der Quarz in der Grundmasse ist, generell oder stellenweise, fein verteilt mikropegmatitisch mit dem Feldspat verwachsen. Plagioklas (grau, gelb) kommt nur wenig vor und fällt meist nicht auf. Der rote Feldspat der Grundmasse ist Orthoklas.
Hesemann (1936, 1975) führt als Merkmale an: Die Armut an megaskopisch auffallenden Rapakivikennzeichen (das Fehlen von stark abgerundeten Feldspäten und meist auch von Ummantelungen aus Plagioklas), das reichliche Vorhandensein von Mikropegmatit und das Fehlen von Mikroklin. Die Abwesenheit von Mikroklin bewirkt, dass das Gestein in der Verwitterung gelblich-rotgrau wird und auf der Bruchfläche, auch in unverwittertem Zustand, mäßig oder wenig glänzend aussieht. Kennzeichnend ist auch das Auftreten von Mikropegmatit als Randzone um den Kern von Orthoklaseinsprenglingen. Mit einer Lupe ist das nicht immer nachzuweisen, es sei denn in der gebleichten Verwitterungsrinde von Geschiebesteinen. 
Ångermanland-Granit ist gewöhnlich dunkelrotgrau und fein-, selten mittelkörnig. Das Gestein hat tropfenförmige Quarzkörner und bis 5 mm lange Feldspateinsprenglinge. In der Matrix selbst ist Quarz sehr feingraphisch mit Feldspat verwachsen. Hornblende kommt in diesen Graniten in etwas größerer Menge als Biotit vor. Nicht immer ist Mikropegmatit reichlich vorhanden. 
Ångermanland-Granophyr schließt in hohem Maße an die Granite an. Die sehr reichlichen Quarz- und Feldspatverwachsungen sind in diesen Varianten allerdings bereits mit dem bloßen Auge zu sehen. Es kommen mehr und größere Drusen und Lochfüllungen vor (u. a. mit Kalkspat und Flussspat). Die Ansammlungen dunkler Minerale bestehen hauptsächlich aus Hornblende, Biotit ist kaum zu finden. Die Farbe des Gesteins ist rotgrau, wobei das Grau manchmal dominiert. Der Granophyr von Ångermanland lässt sich schwer vom Åland-Granophyr und vom Granophyr vom Botnischen Golf unterscheiden. Durch den Farbunterschied zu dem (sattroten) Aplitgranit von Rödö ist eine Verwechslung mit diesem Gestein nicht zu befürchten...."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988 S. 133
 

Literatur:
Ahl M. et al. 1997: Rapakivi granites and related rocks in central Sweden, 7th International Symposium on Rapakivi Granites 1996, University of Helsinki, Finland. Exkursion Juli 1996, SGU series Ca 87, Uppsala 1997
Eckermann H. von 1937: The genesis of the Rapakivi granites, GFF 59, 4 S. 503-524
Eckermann H. von 1938: The anorthosite and kenningite of the Nordingrå-Rödö region. A contribution to the problem of the anorthosites, GFF 60 S. 243-284
Eckermann H. von 1944-1947: Contributions to the knowledge of the Jotnian rocks of the Nordingrå-Rödö region. GFF
Holmquist P. J. 1906: Studien über die Granite von Schweden, Bulletin of the Geological Institutions of the University of Upsala 1906 S. 101
Högbom A.G. 1909: The igneous rocks of Ragunda, Alnö, Rödö and Nordingrå, GFF 31, 5 S. 347-375
Lindh A., Johansson I. 1996: Rapakivi granites of the Baltic shield: The Nordingrå granite, its chemical variation and Sm-Nd isotope composition, Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen 170, 3 S. 291-312
Lindh A. et al. 2001: Evidence of crustal contamination of mafic rocks associated with rapakivi rocks: an example from the Nordingrå complex, Central Sweden, Geological Magazine 138. 4 S. 371-386
Strömsten B. 1969: Nordingrågranit. Norrlandsfonden, Luleå ID: 133-1968
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988

Fredén C. et al. 2005: Geoturistkartan Höga Kusten med Ulvöarna, SGU K1
siehe auch www.kristallin.de
   
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