Schweden  -  Magmatite  -  Nordingrå-Syenitgabbro

Das Küstengebiet von Nordingrå zeigt auf engem Raum eine Reihe geologisch interessanter Gesteine. Grund ist das zeitnahe Aufdringen unterschiedlicher Magmen, eines silikatreichen Granitmagmas (Nordingrå-Rapakivi) und einer dunklen gabbroiden Schmelzmasse. Es tritt in verschiedenen Ausprägungen ein charakteristisches Mischgestein auf, der sehr grobkörnige Ångermanland-Syenitgabbro. In der schwedischen Literatur wird er als Leukogabbro bezeichnet, mit Plagioklaskristallen zwischen 1 und 4 cm.

Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, BGR Berlin u. a.:  
Nordingrå-Syenitgabbro Ångermanland-Syenitgabbro.
E Ulvvik N Mjösjö  N Mjösjö W Bönhamn
Geschiebefunde:
Nordingrå-Syenitgabbro  
    FO:  Hohenfelde  FO: Fehmarn FO: Broager, DK  
 
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 133:
Ångermanland-Syenitgabbro
"... Das hier besprochene Gestein verdankt seine Entstehung dem Umstand, dass im Küstengebiet von Nordingrå entlang der Ränder und oberhalb des Granitmassivs basische Gesteine vorhanden sind. In der Randzone entstanden stellenweise Übergangsgesteine, die Teile sowohl von dem basischen als auch vom sauren Magma enthalten, genauer gesagt Gabbro (oder „Labradorits“) und Rapakivigranit. Diese wechselseitige Beeinflussung hat insbesondere bei Nordingrå ein Aufschmelzen und die Aufnahme von basischem Material in den Rapakivi verursacht. So entstanden Syenitgabbro und Gabbrosyenit, die, vor allem wo der grobkörnige Gabbro assimiliert wurde, sehr charakteristische Typen lieferte (u. a. Högbohm, 1909).
Die wichtigste Gruppe innerhalb des Syenitgabbros hat bis 3 cm lange Plagioklaskristalle (Labradorit) in einer überwiegend aus grobkörnigem Gabbro bestehenden Matrix (Foto 38). Der Labradorit ist in unverwittertem Zustand sehr klar, meist schwach grünlich. In der Verwitterung wechselt die Farbe nach trübweiß, manchmal graubraun. In diese basische Mineralkombination ist saures, meist granitisches Material eingedrungen. Das wird ersichtlich an dem roten Orthoklas, der in Ansammlungen und in Zwischenräumen, beinahe brekzienartig auftritt. Eigenständige Quarzkörner fehlen oder sind von geringer Anzahl und unauffällig. Der meiste Quarz ist mikrographisch mit rotem Kalifeldspat verwachsen.
Es kommt auch vor, dass Kalifeldspat und Quarz vorherrschen, Biotit und Hornblende können hinzukommen. Das ergibt das Erscheinungsbild eines Gabbrosyenit, in dem genetisch und auch das Gefüge betreffend das Prinzip des Syenitgabbros bestehen bleibt, lediglich zugunsten des Rapakivigranits (siehe oben). Alles in allem erinnert die gesamte Gruppe der Intrusivgesteine von Ångermanland oftmals an Monzonite und Übergänge zu Monzoniten (siehe u. a. Sobral 1913). Dieser Autor beschreibt die feinkörnige, granitische oder mikrographische Zwischenmasse (mit sehr wechselndem Gehalt) und die Farbkombination rot und graugrün (und manchmal dazu ein Grünschwarz von den dunklen Mineralen) als kennzeichnend. Unsere Erfahrung ist, dass Geschiebe mit den oben beschriebenen Eigenschaften im Gelände leicht übersehen werden. In den meisten Fällen sind jedoch durchaus einige oder viele große Kristalle aus grünlichem oder gelblichem Labradorit vorhanden. Damit unterscheidet sich das Gestein von anderen Randfazies des Rapakivis, bei denen die Megakristalle in der Hauptsache aus Kalifeldspat bestehen..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988 S. 133
 
Literatur:
Lindh A. et al. 2001: Evidence of crustal contamination of mafic rocks associated with rapakivi rocks: an example from the Nordingrå complex, Central Sweden, Geological Magazine 138. 4 S. 371-386
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
siehe auch www.kristallin.de
 
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