Oslo-Gebiet  -  Magmatite  -  Nephelinsyenit

Zu den seltenen Gesteinen des Oslo-Gebietes gehören die foidhaltigen Alkaligesteine.
W. C. Brøgger unterschied bei den Foidsyenit-Vorkommen des Larvik-Komplexes 3 Ausprägungen:

   1. das großkörnige Gestein Lardalit als plutonische Intrusion zwischen Farris und Lågen N Larvik. Später wurde  
   dieses Vorkommen als zusammengesetzte Ringstruktur erkannt (Oftedahl und Petersen 1978).
   2. die teilweise umfangreichen Gänge innerhalb des Lardalit (vor allem im Lågendalen) mit dünn- bis großtafeligen,  
   trachytoiden Formen (trachytischer Nephelinsyenit oder Foyait).
   3. die östlich des Langangsfjorden verbreiteten, intrusiven Gesteine mit "eugranitischem" (= granitisch-körnigem)  
   Gefüge (körniger Nephelinsyenit oder Ditroit).

In den Nephelinsyeniten treten Hedrumite als Ganggesteine auf.
"Die Foayite/Hedrumite variieren von nephelinfrei bis sehr nephelinreich. Hauptminerale sind tafelige Mesoperthite
(An
  ≤ 1) ± Nepheline + Augit, Ägirinaugit oder Ägirin (oft mit Ca-Kern und Alkalisaum). Als Akzessorien treten auf: Sphen, Ilmenite, Magnetit, Apatit, Zirkon..." (Neumann 1978 S. 26)
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, BGR Berlin, Universität Greifswald, Sgl. A. P. Meyer u. a.:  
Trachytischer Nephelinsyenit (Foyait):
Foyait Nephelinsyenit Ägirin-Katophorit-Foayit
Gjone Heum Brathagen Kvelde
Foyait
N Jordstøyp SW Kvelde   Brathagen Brathagen
Foyait
S Åsrumvannet S Åsrumvannet   W Delingsdalen (Brøgger) N Kvelde Kirke
Foyaitpegmatit Nephelinsyenitpegmatit
 N Kvelde Kirke S Brathagen Aröy, Langesundsfjord   Insel Låven
Körniger Nephelinsyenit (Ditroit und Ditroitschiefer):
Larvikit
Eidanger Skutesundskjärn N Lillegården N Lillegården
 
Aröy Aröy Lillegården  
Ditroitschiefer  
Stokksundet Kjörtingholmen Stokksundet  
Geschiebefunde:      
 
FO: Hökholz, SH FO: Mariager Camping, DK FO: Frejlev, DK FO: Vigsø Bugt, DK  
   
FO: Weissenhaus, OH FO: Oddesund, DK    
       
       
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 384:
Trachytischer Nephelinsyenit
"... Ziemlich grobkörnig (selten feinkörnig); hellfarbig, grau, mitunter rötlich; häufig mit relativ großen Feldspäten (bis einige cm); feinere Zwischenmasse mit u. a. recht viel Nephelin; ziemlich wenig dunkle Minerale (Ägirin, Lepidomelan und/oder Hornblende); trachytisch durch subparallele Lage der Feldspäte; die Feldspäte sind dünnplattig, häufig Karlsbader Zwillinge; das Gestein zeigt in der Verwitterung eine löchrige Oberfläche und verliert seine rote Farbe; auffallende Idiomorphie bei vielen Bestandteilen.

Ebenso hellfarben wie der körnige Nephelinsyenit weicht der hier beschriebene Syenit doch in mehr als einer Hinsicht von jenem ab. Das bezieht sich allerdings nicht auf den Anteil der Hauptbestandteile Alkalifeldspat (Mikro- oder Kryptoperthit) und Nephelin, die gemeinsam in beiden Typen ca. 80 – 85 % (manchmal noch mehr) des Volumens einnehmen; der Nephelingehalt kann anwachsen bis 30 %, meist beträgt er 10 – 25 %.
Der trachytische Nephelinsyenit ist grauweiß, manchmal rötlich (selten graugrün) und immer schwarz gesprenkelt durch dunkle Minerale. Das Gestein ist ziemlich grobkörnig; feinkörnige Varianten sind nicht häufig. Insbesondere das Vorhandensein von mehr als 2 cm (manchmal bloß einige mm) langen, dünnplattigen Feldspäten ist bezeichnend. Die Kristalle sind gewöhnlich mehr oder weniger parallel angeordnet und bilden schöne Karlsbader Zwillinge. Die schmalen Tafeln sind der Anlage nach idiomorph; allerdings zeigen die Kristallbegrenzungen auch Unregelmäßigkeiten. Nicht selten haben diese Alkalifeldspäte einen Plagioklasrand (Albit); in der Verwitterung wird dies gut erkennbar (weißer trüber Rand). Zuweilen fügt auch ein Teil des Nephelins und der dunklen Minerale sich in eine Einregelung ein. In Geschieben ist davon wenig zu sehen; in solchen Fällen gleicht das Gestein etwas einem (zu weißen) Diabas.
Die dunklen Minerale bestehen hauptsächlich aus Ägirin (oft mehr oder weniger graphisch mit Feldspat oder Nephelin verwachsen) und Lepidomelan; meist ist auch Hornblende vorhanden. Akzessorien: sehr wenig oder kein Sodalith; Titanit bis 5 mm; Eisenerz; ab und zu Apatit. Der Nephelin stellt meist einen sehr beträchtlichen Anteil der Masse zwischen den subparallelen Feldspäten; er zeigt dabei keine eigenen Kristallbegrenzungen, sondern fügt sich in den verfügbaren Raum ein. Manchmal kommt allerdings parallel zu den dünnplattigen Feldspäten auch einiger idiomorpher Nephelin vor.
Brögger (1898) weist ferner auf grobkörnige Nephelinsyenit-Vorkommen hin, wie am Langesundfjord, die durch ihn im Deutschen „Riesenfoyait“ genannt werden. Gefüge und Zusammensetzung sind wie beim gewöhnlichen trachytischen Nephelinsyenit, aber alles ist viel gröber bei dieser Variante, die als trachytischer Nephelinsyenit-Pegmatit bezeichnet werden kann.
Trachytischer Nephelinsyenit steht nördlich von Larvik in situ an, zusammen mit Lardalit, von dem er eine Variante darstellt. Durch Brögger wurde der Name Foyait mit diesem Syenit verknüpft. Der Gesteinstypus Foyait, wie er ursprünglich durch Zirkel 1866 beschrieben war, umfasst mehr Varietäten als nur die trachytische, weshalb die Benennung Foyait (wie „Ditroit“ für körnigen Nephelinsyenit) inzwischen aufgegeben wurde. Der trachytische Nephelinsyenit („Foyait“) und der homogenere körnige Nephelinsyenit („Ditroit“) sind durch Übergänge miteinander verbunden; im Zweifel ist es angebracht, kurzweg von Nephelinsyenit zu sprechen..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988, S. 384
Anmerkung: Der Begriff Foyait wird in der neuen IUGS-Nomenklatur nicht mehr verwendet.
 
Körniger Nephelinsyenit (S. 388)
"... Mittelkörnig, grau oder etwas rötlich; unregelmäßige Mineralbegrenzungen; körnig (wie Granit); Textur gewöhnlich homogen, wohl auch mit mehr oder weniger Einregelung der Feldspäte; Feldspäte häufig Karlsbader Zwillinge, nicht dünnplattig; das Gestein ist schwarz gesprenkelt durch recht große, dunkle Hornblendekristalle; recht viel rötlicher oder grauer Nephelin; bei Verwitterung entsteht eine löchrige Oberfläche.

Im Herkunftsgebiet in Norwegen zeigt dieser Syenit in der Regel ein schönes, körniges Gefüge. Das mittelkörnige, graue oder etwas rötliche, immer sehr hellfarbene Gestein weit unscharfe Mineralbegrenzungen auf. Häufig sind die perthitischen Feldspäte (die zumeist ein wenig größer als die übrigen Minerale sind) noch gut als Karlsbader Zwillinge zu erkennen. Auch grauer oder rötlicher Nephelin (Eläolith) ist zu den Hauptbestandteilen zu rechnen, ebenso Hornblende (Barkevikit), die nicht selten das einzige dunkle Mineral ist.
Diese Hornblende bildet recht große Kristalle, manchmal max. 2 bis 5 mm. Ferner sind schwarzer Pyroxen; Biotit, Sodalith, Titanit, Apatit und Erz übliche Bestandteile; quantitativ tritt diese Gruppe wenig vor.
Körniger Nephelinsyenit zeigt gewöhnlich keine Paralleltextur. Typen mit mehr oder weniger Einregelung sind viel weniger häufig, und gneisige Formen sind selten. In Varianten mit einer deutlich entwickelten Paralleltextur bilden die dunklen Minerale langgestreckte Aggregate. Neumann (1980) umschreibt dergleichen Gesteine als gneisartigen Nephelinsyenit. Die durch Brögger (1898) eingeführte Benennung des Gesteins als Ditroit ist durch spätere Forscher nicht übernommen worden, weil der Name 1866 bereits einer anderen Gesteinsart verliehen worden war. Daher kehren wir zu der neutralen Umschreibung zurück: körniger Nephelinsyenit. Zwischen der körnigen Variante und dem trachytischen Nephelinsyenit bestehen viele Übergangsformen. Im Zweifel ist es besser, sich mit einer Bezeichnung als Nephelinsyenit zufrieden zu geben..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988, S. 38
Anmerkung: Der Begriff Ditroit war bereits zu Brøggers Zeiten umstritten und hat sich nicht durchgesetzt.
 
 
Literatur:
Barth T. F. W. 1944: Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region II. Systematic Petrography of the Plutonic Rocks. Det norske Videnskaps-akadami i Oslo. Skrifter I. Mat.-naturv. Klasse, 9
Brøgger, W.C.1898: Die Eruptivgesteine des Oslogebietes. III. Das Ganggefolge des Laurdalits, Kristiania 1898
Oftedahl, C., Dons, J. 1957: Geological Guide to Oslo and District. Oslo, 1957
Petersen, J.S. 1978: Structure of the larvikite-lardalite complex, Oslo Region, Norway, and its evolution. Geologische Rundschau, 67, 330–342.

Ramberg Ivar B. et al. 2008: The making of a land: geology of Norway, NGU Trondheim 2008,
ISBN 978-82-92-39442-7
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden

siehe auch: http://www.ngu.no/upload/Publikasjoner/Special%20publication/SP11_02_Heldal.pdf
                http://geolines.gli.cas.cz/fileadmin/volumes/volume15/G15-140.pdf
 
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