Schweden  -  Magmatite  -  Varberg-Charnockit

In Halland befinden sich bis auf eine Ausnahme in NW-Schonen nahe der Länsgrenze (siehe hier) die einzigen Charnockit-Vorkommen in Europa.
Charnockit ist ein Tiefengestein, dass unter hohem Druck und bei hoher Temperatur entstand. Aus diesem Grund wird es trotz seines granitähnlichen Erscheinungsbildes heute zu den metamorphen Gesteinen gerechnet. Im frischen Bruch ist Charnockit von moosgrüner Farbe, mit dunkleren oder graugrünen Abweichungen. Bei Verwitterung wandelt sich die Farbe zu braungold.

Das im Vergleich zu Graniten durch seine grüne Farbe auffallende Gestein prägt das Erscheinungsbild der Stadt Varberg  -  nicht nur als häufig verwendeter Baustein sondern auch als Gestein des  Festungsmassivs, der Festung selbst und des Uferwegs südlich der Festung. Dort befinden sich auch die Halden eines stillgelegten Steinbruchs.
In Varberg erscheint das Gestein überwiegend feinkörnig, durchsetzt von bis 1 m breiten, grobkristallinen Bändern oder porphyrisch, mit verstreuten, ca. 3 cm großen, braungrünen Kalifeldspäten.
Der Varberg-Charnockit (datiert auf ca. 1420 Mio. Jahre) ist altersmäßig assoziiert mit granitischen Intrusionen, die in kleineren Vorkommen nördlich und östlich von Varberg auftreten. Siehe Torpa-Granit
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover u. a.:
Varberg, alter Steinbruch Uferweg S Varberg S Varberg Varberg, Hästhagabergen
Varberg, Hästhagabergen Varberg, Hästhagabergen Varberg, Hästhagabergen Varberg, Hästhagabergen
     
Varberg      
       
         
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S.355:
Varberg-Charnockit (der Autor verwendet die ältere Bezeichnung "Varberg-Granit")  
"...Meist mittel- oder grobkörnig, moosgrün, übergehend in grau oder braungelb; homogen und dunkel gefleckt oder gneisartig und dunkel geadert; Matrix stark körnig; meist auch Einsprenglinge aus Feldspat; Pyroxen und Hornblende; sehr biotitarm; roter Granat, Gehalt an Quarz, Kalifeldspat und Plagioklas sehr variabel.

Von Hesemann (1975) wurde das Wort „Granit“ mit Anführungszeichen versehen und nach Svedmark (1893) und Holmquist (1906) erinnert dieses Gestein nicht immer an einen Granit; die Bezeichnung „Pyroxengneis“ wäre manchmal angebrachter. Das Areal des Varberg-Granits ist ziemlich klein; er steht an der Westküste von Schweden in einem 10 km breiten Gebiet zwischen Halmstad und Göteborg in Halland an.

Die Zusammensetzung zeigt eine große Variabilität. Das hat zur Folge, dass Geschiebe sehr unterschiedlich aussehen können. Der Hauptanteil liegt immer beim Feldspat, mit Abstand gefolgt vom Quarz. Quarz kann aber auch fehlen. Von Bedeutung sind normalerweise Pyroxene (vor allem Diopsid: ein farbloser bis sehr hellgrüner Augit) neben dunklem bis schwarzem Hypersthen mit einem kupferroten Metallglanz auf den Flächen sowie gewöhnliche Hornblende. Ferner kommen Biotit, Erzkörner und Granat in geringen Mengen vor. Asklund (1946) weist auf den reichlich vorhandenen, gelben Titanit hin.....
Ein wichtiges, mit Hilfe der Lupe nachweisbares Merkmal beruht auf der sog. „Järngneis-Textur“: Bereits Holmquist (1906) führt als Geschiebe-Fachmann an, worin die Besonderheit dieses Aufbaus liegt: „durch einfach polygonale oder gerundete Konturen der Körner sowie durch die Reinheit und den ebenen Verlauf der Fugenlinien“.
Das Auftreten von Hypersthen und der granulitische Charakter bedeuten, dass das Gestein auch zur „Charnockit“-Serie gehört (gebräuchlich für granitische Gesteine mit rhombischem Pyroxen, u. a. der oben genannte Hypersthen).

Varberg-Granit ist meist mittel- oder grobkörnig. Die Grundfarbe ist grüngrau, graugrün, bei Verwitterung mehr braungrau; auch gelbbraun bis beinahe honiggelb kann vorkommen. Nicht selten treten Megakristalle aus Feldspat (Kalifeldspat oder Plagioklas) auf  -  in derselben Farbe wie die Zwischenmasse. Das Gestein ist homogen oder mehr oder weniger gneisartig. Im letzten Fall wird das Gneisgefüge in der Anordnung der großen Feldspäte und der dunklen Minerale erkennbar. Linsenförmige Quarzaggregate können den Eindruck noch verstärken. Hesemann (1975) erwähnt auch feinkörnige Varietäten und mittelkörnige mit verstreuten, 1-4 cm langen einschlussreichen Feldspäten sowie vielfach linsenförmige, bis 2 cm lange Konzentrationen aus Augit, Hornblende und Erz.

Der Haupttypus des Varberg-Granits ist graugrün, mittelkörnig, im Allgemeinen nicht liniert, quarzdioritisch bis granodioritisch (Hubbard 1975). In situ tritt stellenweise Foliation auf; besonders an den Rändern des Vorkommens; sie zeigt sich in dunklen Mineraladern. Im homogenen Typus bewirken die dunklen Minerale dunkle Flecken. Sporadisch sind Feldspateinsprenglinge vorhanden...
Varberg-Granit wird in Steinbrüchen abgebaut. Er wird in Steinhauerkreisen zu den „Grünen Schwedischen Graniten“ gezählt. Die serpentingrüne oder moosgrüne Farbe ist für ein europäisches Gestein außergewöhnlich. An Außenwänden wandelt die Farbe sich im Verlauf der Zeit in ein Hellgelbgrün oder Hellgraugrün, mit rostigen Anlauffarben. An Innenwänden bleibt die dunkelgrüne Farbe erhalten. In den Niederlanden wurden einige Geschiebefunde dieses interessanten und sehr charakteristischen Typus gemeldet. Entlang der Steilufer an der Ostküste von Jütland und Schleswig-Holstein, auf Fehmarn und an den Steinstränden der süddänischen Inseln sind Gerölle des Varberg-Granits recht verbreitet. ..."
Zandstra J.G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten (Nördliche kristalline Leitgeschiebe), E. J. Brill 1988
 
Literatur:
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen,
SS. 91-92
Hubbard F. 1975: The Precambrian crystalline complex of south-western Sweden. The geology and petrogenetic development of the Varberg Region, GFF 97, 3 S. 223-236
Hubbard F. H., Constable J.L. 1980: Geological background to the Rb-Sr age of the Varberg charnockite, Sweden, GFF 102 S. 40-42

Meier G. et al. 1987. Der Varberg-Charnockit/SW-Schweden. Petrographie, Geochemie, Flüssigkeitseinschlüsse. 65. Jahrestagung d. DMG.
Svedmar E. 1893: Beskrifning till kartbladet Warberg, Geol. Kt. Zweden 1:50.000, Aa 147
Quensel P. 1951: The charnockite series of the Varberg district on the southwestern coast of Sweden. Ark.
Mineral., Geol., I.
Welin E., Gorbatschev R. 1978: The Rb-Sr age of the Varberg charnockite, Sweden. GFF Stockholm 100 S. 225-227.
Zandstra J.G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten (Nördliche kristalline Leitgeschiebe), E. J. Brill 1988
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys 1999 (S. 355: Varberg-Charnockit)
Schnell erreichbare Hinweise zur Genese des Charnockits unter http://rruff.info/rdsmi/V43/RDSMI43_543.pdf
Bilder und Infos auch unter:
http://www.strandundsteine.de/reiseberichte/reisen/suedwestschweden/suedwestschweden.htm#Varberg Top 9
 
 
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