Oslo-Gebiet  -  Magmatite  -  nördliche Granite

  Die Ausbildung der Riftstruktur des Oslo-Grabens war ein komplexer geodynamischer Prozess über fast 70 Millionen Jahre, in der Zeit vom späten Karbon bis zur frühen Trias.

Zunächst dominierte Vulkanismus, anfangs in Form von ausgedehntem Spaltenvulkanismus, später in einer Vielzahl von Zentralvulkanen  -  mit nachfolgender Calderen-Bildung.

Parallel zu den effusiven Prozessen, die Basalte und Rhombenporphyre entstehen ließen, erstarrten innerhalb der Erdkruste Magmen und führten zur Ausbildung von syenitischen und granitischen Batholithen:
als erstes im Süden die Larvikit-Gruppe, später im mittleren Oslo-Graben die Drammen- und Finnemarka-Batholithe, danach nördlich von Oslo die Syenite der Nordmarkit-Gruppe. 
In der Schlussphase kam es noch zu kleinen isolierten Granit-Vorkommen in Nordmarka und Hurdal, nördlich von Oslo.
 
 
Die Granite dieser kleinen Vorkommen sind wenig bekannt, sind oft kleinkörnig, zeigen teilweise aber auch spezifische Merkmale und Gefüge.
 
 
I  Grua-Granit
 
  Grua-Granit ist benannt nach dem kleinen Bergwerksort Grua.
Das Vorkommen umfasst nur wenige Quadratkilometer und liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Kambrosilur von Lunner (im Norden) und den Nordmarka-Syeniten (Nordmarkit, Pulaskit, auch Larvikit und Kjelsåsit)
im Süden.
 
Grua-Granit ist ein hellrötlicher (roséfarbener), quarzreicher Biotitgranit  -  wobei der eigentlich namengebende Biotitanteil relativ spärlich und unaufffällig auftritt, er besteht aus verstreuten, kleinen Aggregaten. Man muss sie fast suchen. Ebenso unauffällig treten trübe gelblich-graugrüne Komplexe von Plagioklas auf. Das Gestein wird dominiert vom hellen, frischen Kalifeldspat und vom reichlich vorhandenen, klaren bis grauen Quarz.
     
   
 
 Referenz:

   Grua-Granit

   Anstehendprobe.
   Sgl. H. Arildskov
   Bild aus der Website des    
   Vendsyssel-Stenklub
https://www.vendsysselstenklub.dk/
gallerioversigt.html
   
Fundlokalität s. unten

     
Nahgeschiebefund:
   Oslo-Biotitgranit, Typ Grua-Granit,
   Nahgeschiebefund, Strandstein,
   FO: Storesand, Hurum, Oslofjord
   ex coll. H. Arildskov
   Sgl. Eiszeit-Haus Flensburg
 
 
   II  Myrer-Granit  
Wenn man Angaben zu diesem Granittypus sucht, wird man nicht leicht fündig.
Nach Hinweisen von H. Arildskov handelt es sich um ein Vorkommen, das lediglich in einem sehr kleinen Aufschluss aufzufinden ist, südlich von Hakadal in Myrer an der Nordostgrenze des Oslo-Grabens.
Sven Madsen bezeichnet bei identischer Gesteinsabbildung diese Anstehendprobe als  "Ants-granite" ?) und merkt an: "This small deposit is in fact nothing more than an extension of a vein system that extends for several km both north and south. It is a typical BG II granite, with a transition towards syenite. The southern part of the vein system is intruded into the Holterkollen biotite granite".
Die NGU klassifiziert in ihrem Online-Kartenwerk das linienförmig-schmale Vorkommen als "grobkörnigen Alkalifeldspatgranit".
     
Anstehendprobe, Sgl. H. Arildskov:    


Gesteinsabbildungen aus der Website des Vendsyssel stenklub (s. oben)
  
Ausschnitt aus dem geologischen Online-Kartenwerk der NGU
https://geo.ngu.no/kart/berggrunn_mobil/
 
 
Ein ähnlicher Nahgeschiebefund:

 Eine Ähnlichkeit in Gefüge und Mineralbestand ist
 zu erkennen, aber ob tatsächlich gleiche Herkunft besteht,
 bleibt offen, insbesondere angesichts des sehr kleinen
 in-situ-Vorkommens.
    Strandstein
   FO: Slagentangen, Oslofjord
   Sgl. T. Langmann
  
     
 
Literatur:
Gaut A. 1981: Field relations and petrography of the biotite granites of the Oslo region. NGU 367, S. 54
Neff, TR & Khalil, SO., 1980: Petrology of the Holterkollen plutonic complex, Oslo Region, Norway. Norwegian Journal of Geology, 1980 60, 53-70.
Sæther E. 1962: Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. 18. General investigations of the Igneous Rocks in the area North of Oslo. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. Ny Serie No. 1
Svensen H. & Jamtveit B. 1998: Contact metamorphism of shales and limestones from the Grua area, the Oslo Rift,

Norway: a phase pedrological study. NGT Vol. 78, S. 81-98
   
 
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