Schweden  -  Vulkanite  -  Arvidsjaur-Porphyr

Der Gebirgsgrund im Arvidsjaur-Distrikt wird von Vulkaniten dominiert, vor allem von Ergussgesteinen in Form von Lava und Tuff. Ihr Alter wird auf etwa 1880 Mio. Jahre datiert. Sie stellen eine variantenreiche Gruppe von Vulkangesteinen dar, insgesamt häufig rötlich gefärbt, was auf Oxydationsvorgänge zur Zeit der Entstehung deutet. In späteren Phasen kam es zu metamorphen Überprägungen.
Auf Grund der Formenvielfalt, der im Geschiebe wenig eindeutigen Merkmale und des sehr nördlichen Herkunftsgebietes ist der Wert als Leitgeschiebe begrenzt.
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover u. a.:  
Arvidsjaur-Porphyr Arvidsjaur porphyre Arvidsjaurporphyr  
Arvidsjaur-Andesit Arvidsjaur-Porphyr             Arvidsjaur-Porphyr  
 
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 164 ff:
"... Arvidsjaur-Porphyr umfasst eine Reihe von Ergussgesteinen, zu denen sowohl saurer Quarzporphyr als auch basischer Porphyrit als Gegenpole gehören. Petrographisch handelt es sich um Dacit, Andesit, Keratophyr und „Liparit“ (Grip 1935). In den Gesteinskomplex sind ferner einige hundert Meter dicke Tufflagen eingeschaltet. Die variantenreiche Gruppe steht in Norrland an, 250 km nördlich von Rödö (Norrbotten Län). Alle Beispiele des Gesteins sind mehr oder weniger metamorph. Der ursprüngliche Charakter des in situ schwach gefalteten Gesteins ist allerdings stets gut abzuleiten.
Kann dieses Gebiet Geschiebe nach den Niederlanden geliefert haben? Für den Lina-Granit stellt sich dieselbe Frage. Unmöglich ist es nicht. Aus Ostdeutschland sind zwei Geschiebe von Arvidsjaur-Porphyr bekannt (Postelmann 1942, Hucke 1944)...
Die Menge der Erscheinungsformen des Porphyrs ist dermaßen groß, dass eine kurze Charakteristik unmöglich ist. Darum müssen ein paar Besonderheiten zum Andesit, Quarzkeratophyr und Liparit genügen. Diese haben in situ eine wesentlich größere Verbreitung als die anderen Vertreter, und der Tuff. Für weitere Details zu den Varietäten wird auf Grip (1935) und für Angaben zu einem Teilgebiet auf Lillequist & Svenson (1974) verwiesen.
Andesit besitzt eine dichte, dunkelgraue Grundmasse mit Plagioklaseinsprenglingen, manchmal Hornblende und Pseudomorphosen nach dunklen Mineralen. Die Plagioklaseinsprenglinge erreichen eine Länge von 4 mm; ein Teil der Kristalle ist zerbrochen oder zersplittert. Nicht selten ist der Plagioklas epidotisiert; das Gestein weist dann gelbgrüne Flecken auf. Eines der Vorkommen ist graugrün und ausgesprochen fluidal; es sieht eher wie ein Umwandlungsgestein aus. Eine andere basische Variante enthält kleine, mit Quarz (zuweilen mit Calcit) gefüllte Löcher. Geschiebe von diesem Andesit sind normalerweise eiförmig.
Quarzkeratophyr ist grau oder graugrün, dicht. Das intermediäre Gestein enthält eine wechselnde Anzahl Einsprenglinge von frischrotem Alkalifeldspat. Die Größe dieser gruppenweise liegenden Kristalle ist ungefähr 1 cm; die Feldspäte sind kennzeichnend für den Keratophyr:
a. durch die im Allgemeinen rhombische Form
b. durch die gleichseitige Form (Länge, Breite und Dicke gleich)
c. durch das Vorhandensein von mikroklinreichen und albitreichen Exemplaren
d. durch die Erscheinung, dass in manchen Feldspäten der Kern aus Albit und der Rand aus
Kalifeldspat besteht und dass der Aufbau der anderen Feldspäte gerade das Gegenteil zeigt.
Die ursprüngliche Form der Feldspateinsprenglinge ist mitunter gut erhalten, aber in anderen Fällen ist sie durch Korrosion verschwunden, es bleiben mehr oder weniger abgerundete Körner zurück. Ferner gibt es wenige oder keine Megakristalle. Selten ist eine vereinzelte Hornblendenadel zu entdecken. Bei weiteren Einsprenglingen, wenn vorhanden, handelt es sich um Pseudomorphosen nach dunklen Mineralen. Blasenlöcher kommen ausnahmsweise vor; sie sind immer mit Quarz, Erz und Epidot ausgefüllt.
Arvidsjaur-Quarzporphyr, früher als Liparit bezeichnet, hat eine für das bloße Auge dichte Grundmasse von gewöhnlich grauroter Farbe. Andere Varianten sind braun- oder gelbrot; seltener kommen blaugrau, weiß, hellfarben, schwarz oder verschiedenfarbige Bänder vor. Es gibt auch grün gefleckte Gesteine. Als Einsprenglinge kommen in erster Linie Kalifeldspat und Quarz vor. Einsprenglinge aus dunklen Mineralen, meist Pseudomorphosen, sind klein und unauffällig. Bruchstücke älterer Porphyrarten geben dem Gestein zuweilen ein brekziöses Aussehen. Ein fluidales Gefüge ist nicht selten. Die Feldspäte sind meist 1 – 2, selten 10 mm lang. Die kleinen Tafeln haben abgerundete Ecken. Häufig sind die Kristalle zu Gruppen vereinigt. Die Quarzkristalle sind abgerundet und teilweise mit verfüllten Löchern versehen; die Körner sind manchmal von einer schmalen Korona umgeben. Die Anzahl an Quarzeinsprenglingen ist gewöhnlich gering. In der Hälfte der von Grip untersuchten Gesteinsproben kam insgesamt kein Quarzphänokrist vor. Auch die Feldspäte können fehlen.
Varietäten mit Lithophysen sind verbreitet. Hesemann (1975) gibt die folgende Beschreibung dieser interessanten Gebilde: „durch konzentrische Schalen gekammerte, ursprünglich blasenartige Hohlräume in meist streifiger Anordnung“. Im Arvidsjaur-Porphyr ist die Anzahl, die Form und die Größe der Lithophysen schwankend, mitunter eher niedrig. Die größten Kugeln haben einen Durchmesser von einigen dm und können ein Loch enthalten, das so groß ist, dass eine Hand hineingesteckt werden kann. Andere ebenso große Kugeln sind gänzlich zugewachsen; häufig besteht der Kern dann aus einem Quarz- oder Feldspatkorn, auch Flussspat wird nachgewiesen. Die Lithophysen sind klar gegen die umgebende Grundmasse abgegrenzt; mitunter ist der zonare Aufbau bereits mit dem bloßen Auge zu unterscheiden. Typen mit einer ausgesprochen fluidalen Matrix sind häufig reich an Lithophysen (und Drusen). Nicht immer sind die Kugelgebilde rund; zuweilen sind sie langgestreckt oder die Lithophysen bilden kurze Adern. Auch diese Adern sind klar von der Grundmasse abgegrenzt. Farbige Bänder im Gestein sind das Resultat von unterschiedlich getönten Adern. Die Baustoffe dieser primär magmatischen „Tropfen“ sind dieselben wie in der Grundmasse; das gilt auch für die in den Lithophysen vorkommenden Einsprenglinge.
Arvidsjaur-Tuff, als Geschiebe von Hoyerswerda in Ostdeutschland, besitzt eine dichte, braunrote Grundmasse mit einzelnen undeutlichen, parallel verlaufenden, hellgelben Streifen. In der äußerst feinen Matrix liegen zahlreiche, einige mm lange, linsenförmige, schwarzgraue Einschlüsse. Postelmann (1942) nennt sie Mandeln. Die Einschlüsse bilden Reihen, die parallel zu den gelben Streifen verlaufen; die Linsenform hängt mit dem metamorphen Charakter des Tuffs zusammen. Auch die übrigen Vertreter der Arvidsjaur-Porphyrgruppe zeigen diesen Habitus mehr oder weniger deutlich.
Die Verwitterungsrinde ist blassrot. Die Einschlüsse ragen als Verdickungen hervor. Mit der Lupe ist weiter nicht viel zu sehen. Mikrokopisch scheinen u. a. knochenförmige Lavasplitter vorhanden zu sein; die Länge ist geringer als 0,15 mm. Der Rest der Grundmasse ist dermaßen fein, dass selbst bei starker Vergrößerung (mikr.) von der Zusammensetzung wenig zu bestimmen ist. Die dunklen Einschlüsse selbst bestehen aus nierigen Quarz-, Eisenerz- und Piemontit-(Manganepidot-)Körnern. Durch den Quarzreichtum verwittern die Einschlüsse weniger schnell als die Umgebung, wodurch sie als Knoten hervorstehen können. Sie sind auffallend gleichartig in der Zusammensetzung und ziemlich gleichmäßig. Weil Aschesplitter aus der umgebenden Masse in die Einschlüsse eindringen, müssen diese Masse und die Einschlüsse gleichzeitig entstanden sein...."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
 
Literatur:
Grip E. 1946: Arvidsjaurfältet och dess förhallande till omgivande berggrund [The Arvidsjaure district and its relation to surrounding rocks] - SGU 474 Jahrbuch 39 (1945) [1935: Die Arvidsjaurporphyre, Bulletin of the Geological Institution of the University of Upsala]
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen
Lilljequist R., Svenson S.-Å. 1974: Exceptionally well preserved Precambrian ignimbrites and basic lavas in N. Sweden, GFF 96, 3 S. 221-229 
Postelmann A. 1942: Ein bemerkenswerter Geschiebefund von Hoyerswerda - Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz 33 (3): 13-19
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
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