Schweden  -  Metamorphite  -  Fleckenquarzit

Der im Geschiebe häufig auftretende Fleckenquarzit (spotted quartzite) wurde bislang  -  gemäß den von Hesemann und vor allem von Zandstra gemachten Angaben (s. u.)  -  ausschließlich in die Küstenregion östlich von Stockholm beheimatet und deshalb als "Stockholm-Fleckenquarzit" bezeichnet. Die im Sommer 2016 von T. Langmann und M. Torbohm durchgeführte Exkursion in das Västervik-Gebiet erbrachte ausreichend Belege dafür, dass eine (wesentliche) Quelle dieses Gesteinstyps im Västerviker Raum liegt. Siehe Gesteinsbeispiele hier. Eine entsprechende Publikation ist in Vorbereitung.
 
Geschiebebeispiele:
FO: Sonderborg, DK FO: Norgaardholz, SH FO: Varnæs, DK FO: Johannistal, OH
 
FO: Røsnæs, DK FO: Sonderborg, DK FO: Schönhagener Kliff, SH  
       
Die Herkunftshinweise zum Fleckenquarzit in den nachfolgend zitierten Textstellen bedürfen somit dringend einer Revision  -  zumal in der von Zandstra benannten Referenz (Geijer 1913) keinerlei Erwähnung des Fleckenquarzits existiert, der Aufsatz bezieht sich ausschließlich auf die Stockholmer Fleckengranite. Hesemann wiederum formuliert eine evtl. Herkunftsbestimmung der Fleckenquarzite so vorsichtig und offenlassend, dass von ihm keine Festlegung in die Stockholm-Region abzuleiten ist. Der von ihm genannte Aufsatz von Geijer (1912), behandelt südnorwegische Erzvorkommen, lediglich in einer knappen Fußnote wird aus diesem Kontext heraus auf Leptite im Stockholmer Raum verwiesen, die zuweilen Fleckenbildung zeigen.
Die nicht stimmige Quellenlage sowie der gesamte Vorgang lassen Fragen offen, die aber sehr wahrscheinlich nicht mehr geklärt werden können.
 
Beschreibung aus Hesemann (1975) S. 191:
"... Fleckenquarzit-Geschiebe können identisch sein mit den von Geijer (1912, S 323) erwähnten, Quarz und Sillimanit führenden Leptiten aus der Küstenregion von Stockholm. Als Geschiebe treten sie in allen Teilen Norddeutschlands gar nicht selten in Gestalt von rötlich-grauen, lichtgrauen, auch dunkel- und gelbgrauen Quarziten auf. Das Korn ist fein, es liegt wohl immer unter 0,5 mm, meistens unter 0,2 mm. Beim Drehen der Stücke blitzen viele kleine Quarzkörnchen, Biotit- und Muskovit-Blättchen auf. Auffällig sind zahlreiche weiße Ellipsoide von 2-16 mm Größe, die meistens nur aus Quarz bestehen und mitunter rubinrot umsäumt sind. Manchmal finden sich Eisenglimmer- und Magnetkies-Anhäufungen, die aber nicht in der Mitte der Flecken liegen. Die Flecken sind unregelmäßig oder schichtweise verteilt, Vereinigung zu kurzen Fladen kommt vor. Charakteristischerweise erscheinen die Flecken auf verwitterten Geschieben als deutlich erhabene Höcker.
Mikroskopisch gibt sich das Nebengestein als Aggregat stark verzahnter und undulös auslöschender Quarzkörner mit chloritisiertem Biotit und etwas Muskovit zu erkennen. Kristallisationsschieferung ist durch den Glimmer angedeutet. Die Flecken sind arm an oder frei von Biotit, enthalten stellenweise etwas Muskovit und bestehen sonst nur aus Quarzkörnern, denen in der Mitte eine Fülle von Sillimanit-Nadeln und -Fasern in Büschel-, Strahlen- und Haufenform eingelagert sind. Die Nadeln gehen durch mehrere Quarzkörner hindurch, folgen aber auch teilweise deren Korngrenzen. Manche Flecken haben ein Aggregat von Muskovit als Kern und darum die beiden Quarzkörner-Zonen mit und ohne Sillimanit.
Die Quarzkörner in den Flecken sind vielfach gestreckt, wogegen die Quarze des Nebengesteins keine oder keine eindeutige Regelung zeigen.
Die Flecken stellen wohl lokale Reaktionsstellen in den Glimmerquarziten dar, die durch eine Änderung der Physikalischen Bedingungen ausgelöst wurden..."

Zur Genese gibt Hesemann (1975, S. 188) an: "Die Flecken der Fleckenquarzite stellen Konkretionen dar, für die die Metamorphose den Nährboden abgab und das Weiterwachsen begünstigte. Die Flecken sind also in gewisser Beziehung kontaktmetamorphen Knotenbildungen oder den Porphyroblasten kristalliner Schiefer vergleichbar. In allen Fällen bilden sich besondere Zentren für Um- oder Neukristallisation, die bei den Fleckenquarziten zu fleckenweisen, biotitfreien Anhäufungen von Quarzkörnern mit Sillimanit-Einlagerungen geführt haben..."
Siehe weitergehende Beschreibungen (Hesemann und Zandstra) unten.

Beschreibung aus Zandstra (1988), S. 208:
Stockholm-Fleckenquarzit
"Graue, rotgraue, gelbgraue oder sehr dunkle, für das bloße Auge dichte oder fein sandsteinartige Matrix (Quarz und Biotit); runde, ovale oder eckige, linsenförmige, in Reihen oder verstreut liegende, mm oder cm große Flecken; diese Flecken hellfarben, solitär oder mit anderen Flecken zu Schnüren zusammengewachsen, überwiegend mit Quarz gefüllt, manchmal mit rotem Rand und meist mit exzentrischem (äußerst kleinem) Kern aus Körnchen von Muskovit, Sillimanit oder Erz; die Flecken bei Verwitterung als kleine Erhebungen herausragend.

Das auch unter der Bezeichnung Fleckenglimmerquarzit bekannte Gestein kommt in der Küstenzone auf der Höhe von Stockholm vor. Von Geijer (1913) wurde es als Leptit mit Quarz und Sillimanit bezeichnet. Hesemann (1975) gibt an, dass viele rotgraue, hellgraue, dunkelgraue und gelbgraue Fleckenquarzite, die als Geschiebe in Deutschland gefunden wurden, möglicherweise aus dem oben genannten Gebiet stammen. Es gibt jedoch auch andernorts in Schweden Fleckenquarzit- und Fleckenleptitvorkommen, sodass der Verwendung als Leitgeschiebe Grenzen gesetzt sind. Es kommt darauf an, dass ein Geschiebe, sofern es bei Zählungen verwendet wird, die nachfolgenden Merkmale erfüllen muss.
Die sehr feinkörnige Zwischenmasse besteht überwiegend aus Quarz und Biotit sowie Muskovit. In diese Matrix sind lang gestreckte Gebilde eingebettet, die als Flecken mit Ausmaßen von 2 mm bis höchstens 1,5 cm sichtbar werden. Sie bestehen aus Quarz, manchmal mit etwas Muskovit und haben häufig einen roten Saum. In der Mitte der Flecken befindet sich meist eine Anhäufung von Sillimanit. Es gibt auch Typen mit Flecken, die einen Kern aus Muskovit haben; in diesem Fall fehlt Sillimanit oder er befindet sich mit im Quarzsaum. Häufig treten auch kleine Erzkonzentrationen in den Flecken auf; sie liegen nie zentrisch. Mit der Lupe lassen sich die Minerale der Flecken nicht immer leicht aufzeigen. Die Flecken liegen gestreut oder lagenweise, manchmal sind einige zu einer kurzen Ader verbunden.
Erwähnenswert ist, dass die Flecken sich an der Außenseite von Geschieben oftmals als kleine Erhebungen zeigen; vor allem an einer verwitterten oder geglätteten Oberfläche ist dies sehr auffallend. Diese Buckel sind oft heller als die Umgebung.
Im Gegensatz zum Stockholm-Fleckengranit ist der Quarzit sehr feldspatarm..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
 
Literatur:
Geijer P. 1912: Sydvaranger Iron Ore deposits. GFF 33. Stockholm
Geijer P. 1913: Zur Petrographie des Stockholm-Granits, GFF 35, 123 - 150
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden, Nr. 125 - 127