Schweden  -  Impaktite  -  Dellen

Die Dellen-Seen im Gävleborgs Län sind vor etwa 90 Mio. Jahren durch einen Meteoriteneinschlag entstanden. Der erodierte, komplexe Einschlagkrater hat einen Durchmesser von ca. 19 km. Schweremessungen haben gezeigt, dass die Schockwirkung auf die Umgebungsgesteine ein Gebiet von 500 qkm beeinflusst hat, mit einer Tiefe bis 4 km. Unter anderem am Seeufer können lose Impaktite (Steinschmelzen, Suevite und Brekzien) gefunden werden.
Da weitere Impaktkrater im skandinavischen Raum bekannt sind, bedarf eine Zuordnung von (äußerst seltenen) Impakt-Geschieben zum Dellen-Gebiet labortechnischer Prüfung.
 
Gesteinsproben vom Dellen, Geozentrum Hannover u. a.:
Dellenit Dellenit Dellen impactite Dellenit
Bathusviken
Bathusviken Bathusviken Syltaudden
Dellenit Dellenit Impaktgestein vom Dellen Impaktit vom Dellen
Bathusviken Dellensee westl. Ǻngara Halbinsel NW-Ufer
Dellenit Dellenit Dellenit
Syltaudden Syltaudden   Dellensee Bathusviken
Dellenit  
Bathusviken Skrotten Skrotten  
    
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u. ) S. 168:
"... Nahe der Ostküste von Schweden, in Hälsingland, circa 300 km nördlich von Stockholm, liegen zwei Seen: Norra Dellen und Södra Dellen. Beide sind Teil einer ziemlich runden Senke mit einem Durchmesser von circa 10 km. Diese Niederung liegt 150 bis 250 m tiefer als die Umgebung. Der Name „Dellenit“ stammt aus dem 19. Jahrhundert; darunter wurde eine Gruppe von Gesteinen verstanden, zu denen Tuffe, Tuffbrekzien und andesitische Laven gehören. Wie bei der Mienitserie in Südschweden und den Impaktgesteinen von Sääksjärvi in Südwestfinnland  handelt es sich beim Dellenit um Bildungen unter der Einwirkung eines großen Meteoreinschlags (Impaktite). Dazu werden eine Reihe besonderer kristalliner Gesteine gerechnet. Nach dem Habitus sind vier Gruppen zu unterscheiden (Hesemann 1933, 1975):
    a. Dichter, glasartiger Andesit: Einschlussfreie, schwarze bis dunkelgraue und diabasartige hellgraue     
        Gesteine; ferner gelbe Varianten mit Gneis-Einschlüssen und Zeolith-Drusen.
    b. Hypersthenandesit: sphärolitisch-globulitisches Gestein ohne Einschlüsse.
    c. Perlitischer Andesit: Gestein mit einer fleckig gelbbraunen Grundmasse mit Augit-Mikrolithen und   
        Feldspatrudimenten. Auch dieser Andesit enthält keine Einschlüsse.
    d. Gesteine mit vielen Einschlüssen, vor allem aus Hypersthen und Augit. Die Vertreter dieser Gruppe sind   
        quarzreich (perlitisch, sphärolitisch) und zeigen ein brekzienartiges oder ignimbritisches Gefüge, mit   
        Einschlüssen von Gneis, Feldspat, Quarz, Hornblende und gelbrotem Glas.
Zum Schluss einige Merkmale, die als kennzeichnend für Teile dieser Gesteinsgruppe betrachtet werden. Da wo Dellenit sich als graugrüne, gelbgrüne und braune oder dunkelgraue Lava darstellt, kommen sehr viele circa 1 mm große Plagioklaskristalle, ferner bis 5 mm lange Hypersthen- und Augitstängelchen vor. Die grünsteinartigen Andesite enthalten nur wenig Glas und zeigen dadurch eine feinkörnige Grundmasse. Nach Svenonius (1888) gehören hierzu viele Pechsteine und Perlite, die außer mehr oder weniger runden, bis 5 mm großen Sphäroliten auch (mikr.) runde Globuliten und haarförmige Trichiten enthalten. In schwarzbraunem Glas sind Feldspat-, Augit- und Erzeinsprenglinge nachgewiesen.
Die Tuffe der Dellenitgruppe bilden feinkörnige, graue Gesteine, die aus Ascheteilchen und perlitischem Glas bestehen. Die gelbgrünen, grauweißen oder dunkelgrau gefärbten Brekzien enthalten mehr oder weniger eckige Fragmente von Granit, Gneis und Feldspat.
Die verhältnismäßig jungen (wie heute angenommen wird, tertiären) Gesteine sind in den Niederlanden als Geschiebe nicht bekannt. In Westdeutschland wurden vereinzelte gefunden (K.-D. Meyer 1987 a). Impaktkratergesteine von verschiedenen Einschlagkratern ähneln einander häufig sehr. Nur mit Hilfe von mikroskopischer Untersuchung ist in manchen Fällen eine Herkunftsbestimmung möglich. Auch Industrieabfall von Hochöfen und Glasfabriken gleicht stark dem Dellenit; siehe die Anmerkungen bei den finnischen Impaktiten. Geschiebe von Dellenit fallen auf durch ungewohnte Farben und durch die fleckig-rostige Verwitterungsrinde...."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten,  E. J. Brill 1988 S. 168
 
Der Dellenit ist der Landschaftsstein (Landskapsstenar) der Provinz Hälsingland. Er wird auf der von der SGU publizierten Webseite http://www.sgu.se/sgu/sv/geologi/landskapsstenar.html vorgestellt. 
 
   
Literatur (Auswahl):
Dalwigk Ilka von; Rimsa, Andrius 2000: Petrological studies of the impactites of the Dellen impact structure, Sweden, Geonytt 1 (2000) S. 176-177
Eriksson G. 2008: Tyngdkraftsmodellierung av Dellenstrukturen (Ex-A. 20p) Universität Uppsala, Institutionen för geovetenskaper
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen S. 95 - 97
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988 S. 168
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden, Nr. 104, 105
 
Links: http://www.unb.ca/passc/ImpactDatabase/images/dellen.htm
   
       
       
       
zur Übersichtskarte Härjedalen (Lokalitäten 9 - 11)