Schweden - Magmatite - Rätan-Granit

Innerhalb des nördlichen TIB (Transscandinavian Igneous Belt) repräsentiert der Rätan-Granit (1700 Mio. Jahre) einen spätorogenen Batholith. Ungeachtet seiner großen Ausdehnung ist seine Darstellung weitgehend einheitlich - er besteht überwiegend aus grobkörnigen bis großkörnigen Granitoiden. Der graue oder rötlich-graue, hornblendehaltige Hypersolvus-Granit kann Megakristalle aus Mikroklinperthit bis 3 cm Länge enthalten (Probe 1). Vereinzelt treten gleichkörnige, hornblendearme (Probe 2) oder mikrogranitoide (Probe 3) Gänge sowie Pegmatite auf.

Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, Sgl. R. Hanning, Sgl. M. Bräunlich:
Rätan-Granit
S Sveg, Str. 45 Klaxåsen S Sveg E Rätan
Rätan-Granit Rätangranit
N Älvros SW Vemdalen S Brånan W Rätan

aus Zandstra 1988:
"... Nach Angaben von Holmquist (1906), Hesemann (1936, 1975), Lundegårdh (1967) und Lundqvist (1968) ist Rätan-Granit in der wenig oder nicht deformierten Form ein plagioklasreiches, massives Gestein, das meistens große Kalifeldspatkristalle enthält und den Charakter eines hellen Granodiorits hat. Die Hauptfarbe ist graurot, klar hellrot oder (weniger häufig) grau. Das im Ganzen genommen mittelkörnige Gestein ist in Südwest-Jämtland sehr verbreitet und setzt sich fort bis nach Härjedalen und Gävleborgs Län. Das Massiv nimmt mindestens 5000 km² ein. Beinahe die Hälfte des Gesteinsvolumens besteht aus überwiegend idiomorphem, mehr oder weniger umgewandeltem Plagioklas, ein Viertel aus Mikroklinperthit und ein Fünftel aus Quarz (Tab. 16). Ein Teil des Mikroklins ist als Megakristalle mit einer Länge von 1 – 2 cm, stellenweise 1 – 4 cm und in Gävleborgs Län von maximal  5 – 7 cm ausgebildet. Das Mineral weist nicht selten Karlsbader Zwillinge auf. Der Mikroklin ist deutlich rechteckig oder wohl auch leicht abgerundet; manchmal kommen beide Formen nebeneinander vor. Die rechteckigen Plagioklaskristalle messen bis 5 mm, zuweilen bis 1 cm. Häufig findet sich ein zonarer Aufbau. Durchscheinende, runde Quarzkörner sind vorzugsweise entlang der Ränder der großen Feldspäte gruppiert. Der Anteil dieser Quarz-Megakristalle ist gering bis mäßig.
Die Grundmasse zwischen den großen Kristallen ist meist mittel-, manchmal feinkörnig. In den feinkörnigen Varianten sind auch die Megakristalle relativ klein. Die Hauptbestandteile sind dieselben wie in der Megakristallgeneration: Plagioklas, Kalifeldspat und Quarz. Die beiden letztgenannten sind häufig mikropegmatitisch (granophyrisch) verwachsen. Biotit und stellenweise auch Hornblende kommen in niedrigen Mengen vor. Der Biotit zeigt schöne, idiomorphe Blättchen. Beide Minerale sind in der Regel chloritisiert. Mit gut entwickelten Kristallen aus Quarz, Feldspat und Flussspat gefüllte Höhlungen sind nicht selten. Akzessorien: Titanit (bis 5 mm), Apatit, Flussspat, Erz, Zirkon, Epidot. Als Besonderheit sollen noch erwähnt werden: das Auftreten von Einschlüssen aus Plagioklas und Biotit in der Randzone einiger großer Feldspäte und die unregelmäßige Begrenzung dieser Feldspäte; das Vorkommen von einem ca. 1 mm breiten Plagioklasmantel  um die großen Kalifeldspatkristalle und, seltener, ein Rand aus hellrotem Kalifeldspat um eigenständige Plagioklase.
Die runde Form und auch die Anordnung eines Teils der Quarzkörner und dunklen Minerale rund um die großen Feldspäte lässt an Rapakivigranit denken, wie er in den finnischen Massiven oder auf Åland gefunden wird. Das Gestein ist allerdings älter und, anders als bei den postorogenen Rapakivi, durch Druck beeinflusst. Die Auswirkung von Druck ließ auch deformierte Varianten entstehen. Rätan-Granit zeigt nach Holmquist (1906) eine klare Übereinstimmung mit Siljan-Granit. Der genannte Autor weist auch darauf hin, dass im gesamten Rätankomplex gelbe Titanitkristalle auftreten, die mit dem bloßen Auge erkannt werden können...."

zum deformierten Rätan-Granit: "...Deformierter Rätan-Granit gehört auf Grund des hohen Plagioklasgehaltes zu den Granodioriten. Andres als die undeformierte Varietät zeigt dieser recht grobkörnige Granit keine deutlichen Rapakivi-Merkmale. Die Zerdrückung von Mineralen in der Matrix deutet auf eine starke Umwandlung des Gesteins. Die Hauptfarbe ist eine Kombination von hellrot mit viel grün und gelb. Mehr als die Hälfte des Gesteins (vor allem die Matrix) besteht aus Plagioklas und ein Fünftel aus cm großen Mikroklinperthitkristallen. Der Quarzgehalt ist niedrig, meist unter 10 %. Hornblende und Biotit machen zusammen mit Titanit und Erz circa 15 % des gesamten Volumens aus. Titanit, häufig schöne, große Kristalle, ist immer in reichem Maße vorhanden und dadurch ein sehr charakteristischer Bestandteil. Normalerweise bildet dies Mineral kleine Ansammlungen. Kennzeichnend ist auch die helle Farbe (grün oder weißgelb) des trüben, körnigen Plagioklas in der Grundmasse. Der Quarz der Grundmasse ist grauweiß, grau oder blaugrau und fällt meist nicht auf. Die dunklen Minerale (Biotit, Hornblende, Erz) formen unregelmäßige, linsenförmige Konzentrationen.
Die roséfarbenen, porphyrischen Feldspäte sind ellipsen- oder tafelförmige Mikroklinkristalle und zonare, trübe Plagioklase. Beide Minerale kommen auch in der Grundmasse vor. Mitunter sind die Mikroklinkristalle als Karlsbader Zwillinge entwickelt. In Ausnahmefällen ist ein einzelnes Mikroklin-Auge von einem sehr schmalen Plagioklasring umgeben....
Deformierter Rätan-Granit ist ein schönes Gestein mit einem ansprechenden Farbkontrast. Cm große, hellrote Feldspäte sind von einer grünlichen oder gelbweißen Plagioklasmasse umgeben, die viele Schnüre und Linsen mit dunklen Mineralen und hellgelben Titanitkristallen enthält. Die Verbindung dieser Merkmale mit den Druckerscheinungen (zerdrückte Körner, stark verzahnte Korngrenzen, Umsäumung von trübem „älterem“ durch frischen „jüngeren“ Plagioklas) verbürgt eine gute Erkennbarkeit als Geschiebe..."

 
Literatur (Auswahl):
Gorbatschev R., Kornfält K.-A. & Lundegårdh PH. 1976: Beskrivning till berggrundskartan över Jämtlands län – Del 1: Urberget [1 : 250000] - SGU
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen. S. 27-30
Holmquist P.J. 1906: Studien über die Granite von Schweden, Bull. of Geol. 1906 S. 138
Högdahl K. et al. 2004: The Transscandinavian Igneous Belt (TIB) in Sweden: a review of its charakter and evolution,  GSF Special Paper 37, S. 75 - 77
Mattsson H.J. & Elming, S.-Å. 2001: A paleomagnetic and AMS study of the Rätan granite of the Transscandinavian Igneous Belt, central Sweden GFF 123, 4 S. 205-215
Zandstra J.G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra J.G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden, Nr. 97, 98

 

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