Schweden  -  Alkaligesteine  - Särnait und Särna-Tinguait



Särnait
bezeichnet einen Nephelinsyenit, der WNW von Särna zwei Bergmassive aufbaut. Der Särna-Tinguait tritt in diesen Massiven als Ganggestein auf.



Das nebenstehende Bild zeigt exemplarisch ein schlieriges Särnait-Gestein, von Tinguait-Gängen durchzogen.
(loser Stein SW Siksjöberget, Foto: mit freundlicher Genehmigung von Peter Fels, Västerås, Västerås Amatörgeologiska Sällskap)
 
 
 
Wer zum Siksjöberget reist, kann dort auf der Infotafel folgendes lesen (Auszug):
"Das ca. 1000 ha große, geologisch interessante Gebiet umfasst die zwei Bergmassive Ekorråsen und Siksjöberget. Die beiden Kuppen, 760 bzw. 790 m hoch, werden von einem tiefen und steilwandigen Tal getrennt, das im Süden in den Siksjön mündet.
Während das Gebirge im Gebiet um Särna im Allgemeinen aus Quarzporphyr besteht, steht an dieser Stelle ein quarz-freies Alkaligestein an, dass es außer hier nur an drei weiteren Orten in Schweden gibt. Seine Entstehung ist noch nicht ganz geklärt, doch es wird von einem vulkanischen Ereignis mit Magma aus großer Tiefe ausgegangen.
Särnait:
"Der hier anstehende graue Nephelinsyenit wird als Särnait bezeichnet. Kennzeichnend für den Särnait ist seine schlierige und migmatitähnliche Ausbildung mit wechselnden Streifen und Bändern. Er ist ein fein- bis mittelkörniges, graues oder graugrünes Gestein, reich an Nephelin und Cancrinit.
Auf der Ostseite des Ekorråsen ist der Särnait feinkörnig und schlierig mit gröberen Einschlüssen und Adern. Am Siksjöberget treten ein massiger und ein parallel gestreifter Särnait mit basischen Partien auf, die von groben grauweißen Schlieren durchschnitten werden.
Tinguait:
Im Särnait und im unmittelbar umgebenden Quarzporphyr finden sich schmale Gänge aus Tinguait. Tinguait ist ein auffallendes Gestein, das in weiten Teilen von Dalarna durch Funde von losen Steinen bekannt ist. Er ist meist graugrün mit schwarzen Nadeln aus Pyroxen, rötlichen Feldspatkristallen und grauweißen Nephelinkristallen. Er wurde früh schon und wird heute noch im Porphyrwerk in Älvdalen zu Gegenständen und Schmuck verarbeitet.
"
 
 
Zu der Sammlung des Porphyrwerks in Älvdalen gehören die nachfolgend abgebildeten Tinguait-Varianten. Es handelt sich um runde, polierte Scheiben im Durchmesser von ca. 6 cm.
Sie wurden publiziert und beschrieben in dem (bilderreichen und empfehlenswerten) SGU-rapport 2008:1   -  "Provsamlingen i Älvdalens Nya Porfyrverk  -  geologiska beskrivningar". Autoren: Th. Lundqvist & J.-O. Svedlund.
Sie dürfen hier mit freundlicher Genehmigung der SGU präsentiert werden.  © Sveriges geologiska undersökning.
 
Bei diesen wie bei den nachfolgend gezeigten Gesteinsbeispielen handelt es sich durchweg um lose gefundene Steine im Umkreis des Vorkommens bzw. Gerölle aus lokalen Kiesgruben. Das macht eine weitergehende, konkretere Zuordnung unmöglich. Zumal massiger "Särnait" und nicht-fluidaler, einsprenglingsreicher "Tinguait" sich (als lose Steine) durchaus nahe stehen.
 
 
Fundstücke aus der Umgebung des Anstehenden, Geozentrum Hannover, BGR Berlin, Sgl. A. P. Meyer, Figaj u. a.:
Särnait (bei manchen Stücken kann es sich auch um Ganggestein / Särna-Tinguait handeln....):
Särnait
porphyrischer Särnait Siksjöberget S Siksjöberget Siksjöberget
Särnait
Siksjöberget  S Siksjöberget homogener Särnait heller Särnait
Särnait Särnait Särnait Särnait
Südhang Ekorråsen S Siksjöberget schlieriger Särnait (?) Siksjöberget
Särnait Nahgeschiebe Särnait    
Siksjöberget Särnait o.Tinguait? Siksjöberget Särnait o. Tinguait?  
Geschiebefunde:
 
FO: Panten, NW Mölln FO: Eckernförder Bucht FO: Dranske, Rügen  

Särna-Tinguait:
Särna-Tinguait Särna-Tinguait Särna-Tinguait
NE Horrmund Särna o. A. Nordomsjöm   Särna o. A.
SW Siksjöberget  N Fulunäs S Sörsjön N Fulunäs
Geschiebefunde:
FO: SE Edsvalla, S FO: Oeversee, SH FO: Senzig, SE Berlin FO: Teufelssee, Berlin

 
Nachfolgend Beschreibungen aus Zandstra (1988) zum Särnait (S. 227) und Särna-Tinguait (S. 229):
Särnait
"...Mittelkörnig; gleichkörnig oder porphyrisch, manchmal trachytisch; stets helles Gestein, grüngrau oder hellgrau bis beinahe weiß; grünschwarze bis 2 cm lange Agirinnadeln; rötliche oder helle, bis 2 cm lange quer gestreifte Cancrinitsäulchen; durchscheinende Nephelineinsprenglinge; ab und zu Calcitmandeln; Verwitterungsrinde mit Löchern und Erhebungen; verwitterte Geschiebe sehen sehr unauffällig aus; richtungslos-körnig oder geadert liniert.

Die Angaben zu dieser interessanten Nephelinsyenit-Gruppe haben wir schwedischen Geologen wie Törnebohm (1877), Magnusson (1923) und Hjelmqvist (1966) zu verdanken. Die für eine megaskopische Bestimmung zutreffendste Beschreibung stammt von Hesemann (1975), woraus die nachfolgenden Angaben zum großen Teil genommen wurden, ferner von Korn (1927). Korn nennt das Gestein Cancrinit-Ägirin-Syenit.

Der mittel-, seltener feinkörnige Särnait kommt in zwei Massiven vor. In dem einen Massiv handelt es sich um einen grüngrauen oder weißgrauen, porphyrischen Syenit, in dem anderen um ein weniger stark porphyrisches oder sogar gleichkörniges, graues oder grünlichgraues Gestein. Die genannten Typen zeigen Übergänge zu Varianten mit trachytischem Aufbau, die durch dünne Feldspattafeln bewirkt werden.
Alle Särnait-Typen enthalten schmale, säulenförmige oder stängelige, bis 2 cm lange Einsprenglinge aus schwarzem oder grünschwarzem Ägirin und einer wechselnden Anzahl bis 2 cm langer, säulenförmiger oder mehr oder weniger abgerundeter Einsprenglinge aus grauweißem oder rötlichem Cancrinit sowie durchscheinendem Nephelin. Diese Kombination von Eigenschaften bewirkt, dass der Särnait gut zu erkennen ist. Auffallend ist ferner die verwitterte Außenseite von Geschieben, die unregelmäßige Gruben und Erhöhungen aus Ägirin und Feldspat aufweist. Geschiebe sehen gewöhnlich blass und unattraktiv aus.
Gewöhnlicher (nicht trachytischer) Särnait ist größtenteils aus hellen Mineralen zusammengesetzt. Es treten Adern mit vielen dunklen Mineralen auf. Die Hauptmasse besteht aus Natronorthoklas und Plagioklas. Häufig sind auch Nephelin und Cancrinit vorhanden; manchmal nehmen diese beiden Minerale selbst mehr als die Hälfte des Gesteinsvolumens ein. Ägirin ist immer und Biotit sowie Hornblende sind oft enthalten. Wo Cancrinit gesondert wahrzunehmen ist, zeigt er kurz- oder langprismatische, quer gestreifte Kristalle. Nephelin ist meist gut an seinem vier- oder sechseckigen Durchschnitt zu erkennen; als (klarer) Einsprengling ist er nicht häufig anzutreffen, tritt aber vielfach in der Grundmasse auf und enthält dann zonar angeordnete Ägirinnadeln.
Die Orthoklase und die als Albit entwickelten Plagioklase sind tafelförmig. Orthoklas kommt vor allem als Karlsbader Zwilling vor; er besteht zum Teil aus Mikroklin und ist stark perthitisch. Albit ist ebenfalls verzwillingt und meist zonar aufgebaut. Spuren von Apatit und Titanit sind oftmals leicht zu entdecken, Magnetit und Pyrit selten. Außerdem gibt es im grünlichen Särnait manchmal bis 1,5 mm große, überwiegend mit Kalkspat gefüllte Mandeln. Im Umkreis dieser Mandeln befindet sich Plagioklas und vereinzelt etwas Apatit.
Trachytischer Särnait hat eine Matrix, die aus feinen Feldspat- und Cancrinitleisten sowie feinfaserigem Ägirin besteht. In dieser Zwischenmasse befinden sich extrem lange Einsprenglinge aus Ägirin, Cancrinit und anderen Mineralen, die in Gruppen vereinigt oder zuweilen winklig miteinander verwachsen sind. Auch im trachytischen Särnait können Kalkspatmandeln auftreten; manche dieser Mandeln sind in pseudomorphen Albit übergegangen.
Schlieriger Särnait hat im Wesentlichen die Zusammensetzung eines der oben beschriebenen Typen. Das Gestein sieht schlierig und migmatitartig aus, es zeigt eigenwillig verlaufende Adern und Streifen mit wechselnder Zusammensetzung..."


Tinguait von Dalarna
"...Grundmasse graugrün oder blaugrün, felsitisch oder dicht, homogen oder etwas fluidal; Einsprenglinge von folgenden Mineralen: Feldspat, Ägirin, Biotit, Cancrinit, Nephelin, zuweilen vereinzelte Kalkspatmandeln.

Die bis 3 m breiten Tinguait-Gänge haben meist eine charakteristische graugrüne oder blaugrüne Farbe. Seltener ist das Gestein grün oder dunkelgraugrün. Normalerweise ist Tinguait nicht oder nur kaum merklich liniert; allenfalls zeigen die Einsprenglinge eine annähernd parallele Lagerung. Bei Brattberg kommt eine fluidal schlierige Variante vor. Die Grundmasse ist dicht oder etwas körnig (Lupe!) und mutet gewöhnlich quarzitisch an. Als Einsprenglinge sind vorhanden:
1. vor allem Feldspat oder
2. Nephelin, Feldspat und Ägirin (manchmal auch Cancrinit) oder
3. Feldspat, Cancrinit, Sodalith und Ägirin (manchmal auch Natrolith) oder
4. überwiegend Nephelin.

Mitunter gibt es außerdem vereinzelte mit Calcit gefüllte Mandeln. Die Größe der Einsprenglinge variiert in der Regel zwischen 2 und 10 mm. Sie zeichnen sich deutlich gegenüber der grünen Matrix ab: der hellgraue, häufig transparente, eckige oder etwas abgerundete Feldspat (Natronorthoklas und Albit), der nahezu farblose, glasartige Nephelin, der rötliche Cancrinit, die grünschwarzen Ägirinnadeln und der glänzend schwarze, sechseckige Biotit. In der Verwitterung nehmen die Feldspäte eine hellbraune Farbe an. Mikroskopisch sind zwei Formen des Gesteins zu unterscheiden. Der eine Grundtypus hat eine filzige, feldspatreiche Grundmasse und hauptsächlich Einsprenglinge aus Feldspat sowie Cancrinit, Ägirin und etwas Biotit. Der andere Grundtypus hat eine nephelinreiche Grundmasse, und auch bei den Einsprenglingen überwiegt Nephelin. Nicht selten treten in den Megakristallen aus Nephelin und Cancrinit recht große Ägirinsäulchen auf. Bei Ägirineinschlüssen im Feldspat handelt es sich immer um winzige Nadeln.
Zunächst beruhte die Beschreibung des Tinguait, insbesondere dieser porphyrischen Form des Särnait von Dalarna, vor allem auf der Darstellung durch Hjelmqvist. Seitdem wurden mehrere Geschiebefunde aus dem Gebiet selbst gemeldet, darunter mit sehr großen Ägirineinsprenglingen (bis 5 cm, vgl. Tab. 6, Abb.1 in Hesemann 1975). Der Autor fand ein Exemplar mit kleinen Ägirinnadeln auf dem Hafengelände von Drachten. An den Geröllstränden von Schleswig-Holstein und auf der süddänischen Insel Alsen ist Tinguait nicht selten.
Zum Schluss sei auf eine Untersuchung zur Verbreitung von Geschieben von Tinguait-Typen in Dalarna selbst hingewiesen (Lundqvist 1951). Der Autor kann auf Grund der Ergebnisse eine Rekonstruktion der Fließrichtung der Gletscher während der letzten Eiszeit vollziehen, und daraus geht hervor, dass diesbezüglich die derzeitige Theorie in hohem Maß korrekturbedürftig ist. Die durch Lundqvist erstellte Übersicht über die Merkmale der verschiedenen Tinguait-Varianten kann auch für die Geschiebeforschung in Niederland und Deutschland nützlich sein..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
Eine ausführliche Gesteinsbeschreibung ist auch bei Hesemann (1975) gegeben.
 
 
Literatur (Auswahl):
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen S. 109
Hjelmquist S. 1966: Beskrivning till berggrundskarta över Kopparbergs Län  - Sveriges Geologiska Undersökning (Ca) Afhandlingar och uppsatser 40, Uppsala.
Lundqvist J. 1951: Särnatinguaiterna och deras blockspridning. GFF 73, 17-50
Magnusson N. H. 1923: The alkaline rocks of Siksjöberget and Ekorråsen in Särna, GFF 45, 3 S. 295-334
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988 S. 227
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden Nr. 136, 137

siehe auch www.kristalline-geschiebe.de/gd1.htm
           und www2.orsa.se/turism/stenensrike/skyltar/77_sarnaheden.pdf

       

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