Oslo-Gebiet  -  Vulkanite  -  Rhombenporphyr

Das unverwechselbare Erscheinungsbild des Rhombenporphyrs und seine eindeutige Herkunft führten dazu, dass er in der Geschiebeforschung zum Prototyp des skandinavischen Leitgeschiebes wurde. Er kann überhaupt als maßgeblicher und besonders charakteristischer Vertreter des Vulkangebiets des Oslo-Grabens gelten, denn sein Auftreten ist umfangreich und erfolgte über einen längeren Zeitraum in einer ganzen Serie von Ergüssen.
Zeitlich schließt die Ausbildung der Rhombenporphyre an die erste Phase des Vulkanismus in der Osloregion an, die Basalte (und Essexite) hinterlassen hatte. Dann:
"Suddenly the effusive activity changed its character and huge masses of lavas of monzonitic composition were extruded. The phenocrysts have a characteristic size, shape and density of packing in each lava type. Thus more than a dozen different flows of trachyandesite (latite) have been distinguished and mapped." (Holtedahl & Dons 1966)
Dieser ersten vulkanischen Periode mit Rhombenporphyren folgten zwei weitere. Die entstandenen Lavadecken variieren in der Mächtigkeit von 10 m bis zu 100 m und mehr.
Obwohl die einzelnen Rhombenporphyr-Laven sich in Gefügemerkmalen und Farbe unterscheiden, ist ihre mineralische Zusammensetzung sehr einheitlich: "Their composition is essentially monzonitic, and the variations are so small and incidental that there is no systematic difference from one type to another in the series." (Holtedahl & Dons 1966)
Die Rhombenporphyrlagen wurden von Oftedahl (1952) in seiner Darstellung der Laven des Oslo-Gebietes differenziert und mit RP1 bis RP... bezeichnet.
Rhombenporphyr-Vorkommen gibt in dreierlei Form:
in flächigen Plateaus (in den großen Vulkangebieten Vestfold und Krokskogen),
in Calderen (Bærum-, Sande-, Ramnes- und Nittedal-Caldera),
und in verstreuten Gängen, die teilweise intrusiv weit ausstrahlen  -  im SE bis nach Göteborg, Schweden, im N bis Begnadalen und im SW bis Grimstad und Homborgsund bei Lillesand (Holtedahl 1960).
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, Universität Greifswald, BGR Berlin, Sgl. A. P. Meyer u. a.:  
Rhombenporphyr
die Krokskogen-Serie Bærum Caldera Ramnes Caldera Sande Caldera
Sørkedalen Nordmarka Vestfold Tønsbergit-Rhombenporphyr
Vivestad Rektangelporphyr Ringshaug Vettakollen
Typ Langtangen Typ Storflåten Typ Tyveholmen Typ Kolsås
Drammen-Caldera Boklund  SW Horten Bohuslän
Rhombenporphyr-Mandelstein:
Kaffe Skaret N Tønsberg Ringerike Ringerike
Geschiebefunde:      
  FO: Samsø FO: Wulmstorf FO: Schönberger Strand, SH FO: Schönberger Strand, SH
FO: Remmer Strand, DK FO: Emmerlev Klev, DK FO: Hubertsberg, OH FO: Bovbjerg, DK
       
 
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 408: 
Rhombenporphyr
"Dichte bis sehr feinkörnige Grundmasse, schwarz, braun, grau, rötlich, grünlich, oft stark gebleicht; Einsprenglinge aus spitzrhombischem, cm langem Plagioklas; gewöhnlich auch linsenförmige und vieleckige Kristalle sowie Kristallfragmente; Farbe der Einsprenglinge gelblich oder grau, seltener dunkel; Anzahl, Form und Größe der Einsprenglinge stark wechselnd.

Der gewöhnliche Rhombenporphyr mit ziemlich dunkler Grundmasse und gelben oder grauen, gestreckt- oder breitrautenförmigen Feldspateinsprenglingen ist der bekannteste und auffallendste, auch häufigste Vertreter des Oslo-Gebietes. Der Fund eines Geschiebes ist das Zeichen, um auf begleitende Syenite, Granite und basische Gesteine aus diesem Gebiet gefasst zu sein. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass Rhombenporphyr in situ sowohl weiter im Westen, bis nahe Grimstad, als auch weiter im Osten, bis nach Bohuslän, vorkommt. Der Umfang dieser Ausläufer ist jedoch sehr gering. Das Gestein ist als eine Ergussform des Larvikitmagmas zu betrachten; es gehören aber auch Ganggesteine zu diesem Typus.
Die Grundmasse ist dicht bis feinkörnig und von sehr variationsreicher Färbung: schwarz, dunkelgrau, graubraun, rotbraun, grünlich. Auf Grund von Verwitterung sind Geschiebe nicht selten beträchtlich gebleicht oder durch Einfärbung von Mangan- und Eisenverbindungen bis in den Kern dunkel, unansehnlich und kaum mehr erkennbar. Die gesonderten Minerale der Matrix, vor allem Plagioklas, ferner Biotit, Augit und Erz sind mit der Lupe schwer oder nicht zu erkennen.
Die Generation der Einsprenglinge besteht beinahe ausschließlich aus Feldspat. Es handelt sich dabei um zuweilen verzwillingte Plagioklaskristalle, die der Anlage nach spitzrautenförmig sind. Bei den meisten Exemplaren ist diese Form jedoch „missglückt“ - wir sehen spitze, in zwei Punkten endende Rhomben, Dreiecke und vieleckige Kristallfragmente. Gewöhnlich erreichen diese Einsprenglinge eine Länge von 5 – 30 mm. In Geschieben heben sich die Rhomben durch ihre hellere Farbe meistens deutlich gegenüber der Matrix ab. Da sie schnell verwittern, sind mitunter nur noch die Löcher übrig, auch solche hellgraubraun verwitterten Gesteine, mit flachen, spitz zulaufenden Gruben sind unschwer zu erkennen. Es kommen auch Typen mit dunklen Feldspäten in einer schwarzen Grundmasse vor. Zuweilen haben die Feldspäte einen hellen Saum; Typen mit einer dunklen Matrix fallen hierbei am meisten auf. Die Anzahl der Feldspateinsprenglinge variiert stark. Neben diesen Feldspäten sind manchmal auch kleine, mit Kalkspat gefüllte Mandeln vorhanden. Selten kommen Phänokristalle aus Olivin vor.

Rechteckporphyr wird als eine Variante des Rhombenporphyr angesehen. Das auch als Rektangelporphyr bezeichnete Gestein steht chemisch und in Bezug auf das Äußere zwischen basischen Varianten des Rhombenporphyrs und sauren Basalttypen. Anstelle von Rhomben finden wir rechteckige Feldspateinsprenglinge. Das Gestein kommt vor allem in zwei Formen vor. In beiden ist die Matrix dicht bis feinkörnig und von schwarzer, grauer oder brauner Farbe. Im Typus mit schmalen Einsprenglingen sind die meisten rechteckigen Feldspateinsprenglinge 4 bis 6 x so lang wie breit. Die Begrenzung der Feldspäte verläuft manchmal leicht gewellt oder unregelmäßig konvex oder konkav. Ferner treten mehr oder weniger korrodierte, unvollkommene Kristalle und Kristallfragmente auf. Diese Exemplare sind meist kürzer und breiter als die übrigen Feldspäte. Der Typ mit schmalen Feldspatleisten kommt im Sörkedal in situ vor (Abbildung in Huizinga 1965).
In dem Typus mit breiten Einsprenglingen sind die Feldspäte kurz und plump und nicht immer deutlich rechteckig. Die Anzahl unregelmäßig geformter Kristalle und Splitter ist häufig groß. Die Länge der Feldspatkristalle variiert in diesem Typ von einigen mm bis 4 – 5 cm, in ein und demselben Stein.

Rektangelporphyr ist als Geschiebe viel seltener als die (auch nicht häufigen) gewöhnlichen Rhombenporphyre.
Die im Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität gebildete Brekzie und der Ignimbrit kommen im Oslogebiet an mehreren Stellen vor. Geschiebe sind als Leitgeschiebe zu verwenden, wenn Einschlüsse von bekannten Oslogesteinen enthalten sind. Anders als beim Rhombenporphyr-Konglomerat (siehe dort) handelt es sich um harte Gesteine, die der Verwitterung gut standhalten. In Geschieben ist von Lineatur gewöhnlich nichts zu merken. Die Typen mit einer Art Paralleltextur sind als Agglomeratlava zu betrachten (siehe Abb. 14 in Schuddebeurs 1987). Die mitunter etwas arkoseartige, braunrote oder violettbraune Grundmasse besteht (mikr.) aus Ascheteilchen von variabler Form und Größe. Auch die Einschlüsse sind von sehr unterschiedlicher Größe: von einigen mm bis viele cm. Die Form ist stark eckig bis eckig abgerundet. Funde dieses harten Vulkanits, allerdings nicht immer mit Rhombenporphyr-Bruchstücken, sind in Gebieten mit vielen Oslo-Erratika (Ostfriesland und der Hümmling in Deutschland) ziemlich häufig. Die nicht-norwegische Literatur stiftet Verwirrung: die als Rhombenporphyr-Konglomerat bezeichneten Geschiebe (Helinga 1972, 1980 und Milthers 1972) sind Vulkanite oder Subvulkanite. Gripp (1970) weist zu Recht auf die unrichtige Zuordnung des Begriffs „Rhombenporphyr-Konglomerat“ hin (siehe dort). In Wirklichkeit handelt es sich bei ignimbritischen Brekzien um zum Teil aus Glutwolken abgesetzten und danach gesinterten („festgebackenen“) feinen oder groben Gesteinsgrus.
 
Rhombenporphyr-Konglomerat gehört eigentlich nicht in dieses Buch, weil es ein Sedimentgestein ist. Nach Störmer (1935) müssen wir uns die Genese vorstellen als die Bildung eines Konglomerats aus dem Schuttfächer eines großen Bruchs, wobei Lava-Material von einem hoch gelegenen Terrain in viele hundert Meter dicken Schichten entlang der Ostküste des Oslofjords abgelagert wurde. Nach Störmer (1935) und Dons & Larsen (1978) bestehen die Einschlüsse, in der Größe von einigen mm bis zu mehreren Metern, zu mehr als 90 % aus abgerundeten oder eckigen Stücken Rhombenporphyr und der Rest aus Quarz-Konglomerat aus dem Perm, rotem oder grauem „Old Red“-Sandstein und verschiedenen Basalt-Arten. Im Unterschied zu dem durch Vulkanismus entstandenen Trümmergestein (Brekzien)
bildet das sedimentäre Konglomerat ein bröckliges Gestein. Wo es im Oslo-Gebiet in einem Aufschluss zutage tritt, zerfällt es bald zu Grus. Geschiebe dieses Typs sind in den Niederlanden nicht bekannt. Die Chance eines Fundes ist gering, weil der Stein eine solche Art Transport schwer überleben wird.
Nephelin-Rhombenporphyr ist ein aus dem Gang-Magma des Lardalit gebildetes Gestein. Es ähnelt dem Rhombenporphyr, unterscheidet sich jedoch von ihm durch bis 12 % Nephelin in der Grundmasse. Bei starker Verwitterung ist ein Geschiebe dadurch gefleckt und unscharf gezeichnet. Die Feldspateinsprenglinge sind in dieser Variante teilweise rhombisch. Brögger (1898) stellte verschiedene Vorkommen in situ fest.
Rhombenporphyr-Mandelstein wurde ein einziges Mal als Geschiebe gefunden. Das Gestein enthält (häufig schön rhombische) Feldspat-Megakristalle und wenige bis sehr viele höchstens einige mm große, runde Mandeln. Im Übrigen schließt sich das Gestein ganz den gewöhnlichen Typen des Rhombenporphyrs an..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
 
Literatur:
Heyer H. 1967: Rhombeporfyr-stratigrafi vest for Holmestrand. Norges Geologiske Undersøkelse 255
Holtedahl O. & Dons J. A. 1966: Geological guide to Oslo and districts (with map 1: 50000). Universtitsforlaget Oslo 1966.
Oftedahl C. 1946: Studies on the igneous rock complex of the Oslo Region. VI. On akerites, felsites and rhomb-porphyries. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1946 No.1
Oftedahl C. 1952: Studies on the igneous rock complex of the Oslo Region. XII.  The lavas. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1952 No.3
Geschiebeliteratur:
Hesemann J.1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen
Smed P. /Ehlers J.: Steine aus dem Norden, Borntraeger 2002
Vinx R. 2008: Gesteinsbestimmung im Gelände, Spektrum 2008, S. 241
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden
 
siehe auch: http://www.vendsysselstenklub.dk/strandstensgallerier/Norge/album/Oslofeltet/Rhombeporfyrer/index.html
               
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