Oslo-Gebiet  -  Vulkanite  -  Porphyre des Oslo-Gebietes

Das Oslo-Gebiet hat durch seinen intensiven Vulkanismus eine Vielzahl an porphyrischen Gesteinen hervorgebracht. Sie unterscheiden sich im Mineralbestand mit einem Spektrum von basisch (Ankaramite) bis felsisch (Quarz-Tholeiite) und in Gefügemerkmalen. Neben dem bekannten intermediären Rhombenporphyr kommen Syenitporphyre (auch als Sphärolithporphyre), Quarzporphyre und Felsitporphyre vor. Manche Lokalnamen tauchen in Beschreibungen innerhalb der Geschiebeliteratur auf.
In den Lava-Plateaus und Calderen dominieren Rhombenporphyre. Im Übrigen treten die verschiedenen Porphyr im Oslo-Gebiet verstreut in kleinen Vorkommen auf.
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, BGR Berlin und Universität Greifswald:  
Syenitporphyre:
Syenitporphyr Syenitporphyr, Lathus
Ramnes Østern-Typ homogener Lathus-Typ fluidaler Lathus-Typ
Sørkedal-Porphyr Sørkedal-Porphyr
Sørkedal-Typ Sørkedal W Sørkedal Sørkedal
Syenitporphyr  
Vivestad S Harestuvannet NE Vivestad  
       
Sphärolithporphyr:
Sphärolithporphyr Sphärolithporphyr Sphärolithporphyr Sphärolithporphyr
Sørkedal Grefsenkollveien NE Sørkedal NE Sørkedal
       
Glimmersyenitporphyr:
Ullernåsen   Ullernåsen Bygdø Ullernåsen 
Ullernåsen Nakholm Bygdø Skansebakken
Ullernåsen Killingen Bygdø Bygdø
Glimmersyenitporphyr Glimmersyenitporphyr
Ullernåsen Ullernåsen Nakkholmen Nakkholmen
       
 Felsitporphyre: 
Felsitporphyr Felsitporphyr    
Sørkedal Sørkedal    
       
Hornblendesyenitporphyr:
H
Gressholmen Gressholmen Gressholmen  
       
Quarzporphyre:
Quarzporphyr
Gampåsen  (Brøgger) Årbogen W Drammen Årbogen W Drammen Drammen
Drammen-Quarzporphyr Brekzien-Quarzporphyr
Bragernes Drammen Brekzien-Quarzporphyr  ESE Eidsfoss
     
Drammen      
Horn-Quarzporphyr:
 
SE Ramnes Linnestad, E Ramnes Linnestad, E Ramnes  
Geschiebe:
     
G Brekzien-Quarzporphyr      
 
Nachfolgend wird, zur weiteren Information, ein Abschnitt aus Zandstra (1988) S. 413 ff wiedergegeben  -  obgleich die bei Zandstra beschriebenen Porphyr-Varianten nur partiell in den hier gezeigten Abbildungen wiederzufinden sind:

Lathus-Porphyr (Porphyre ohne Quarzeinsprenglinge)
"... Grundmasse dicht, bei Baerum schwarzblau, sonst auch rötlich oder violett; kleine rechteckige oder unregelmäßige, trübe Einsprenglinge aus rötlichem Feldspat; wechselnder Gehalt an Einschlüssen bis 10 mm oder auch ganz ohne; fluidal oder homogen; Gesamtvolumen der Einsprenglinge häufig viel größer als das der Zwischenmasse; Einsprenglinge mitunter eingeregelt (in den fluidalen Typen).

Durch Oftedahl (1946) wurden im Gebiet der Baerum-Caldera dreierlei Felsittypen unterschieden - als da sind: ein fluidaler Typus, ein Porphyr ohne Paralleltextur und ein feuersteinartiger Porphyr. Letzterer ist dicht und massiv und grau bis schwarz getönt. Er enthält keine Einsprenglinge oder Einschlüsse. Das Vorkommen ist klein; er wird hier nicht weiter behandelt. Von den beiden anderen Typen, die in Anlehnung an Oftedahl als Lathus-Porphyr bezeichnet werden, folgen unten weitere Einzelheiten. Es handelt sich dabei um Gesteine mit einer quarzsyenitischen bis granitischen Grundmasse und Feldspateinsprenglingen.
Fluidaler Lathus-Porphyr ist die bekannteste und obendrein häufigste Form. Auf der verwitterten Außenseite von Geschieben sind die Fließlinien sehr deutlich abgezeichnet. Ferner kann helfen, dass die Einsprenglinge mehr oder weniger in Reihen liegen. Das Gestein von Vakerseter hat eine schwarzblaue, dichte Grundmasse. In diesem dunklen Feld liegt eine wechselnde, meist sehr große Anzahl gewöhnlich 1 – 3 mm langer, rechteckiger oder unregelmäßig geformter, trüber, roter Kalifeldspateinsprenglinge. Varianten mit größeren Feldspäten (bis rund 1 cm) kommen auch vor. Nicht selten ist das Gesamtvolumen der Feldspäte so groß, dass die Zwischenmasse eine untergeordnete Rolle spielt. Ferner ist erwähnenswert, dass die Feldspäte nie verzwillingt sind. Zwischen den Feldspäten liegt verstreut eine wechselnde Menge an Einschlüssen; ihre Länge beträgt bis 5 bis 10 mm. Diese Typen des Lathus-Porphyrs mit eingeschlossenen Gesteinsfragmenten kommen zusammen mit Varietäten vor, in denen solche Einschlüsse massenhaft auftreten: echten vulkanischen Brekzien. Die Einschlüsse bestehen vor allem aus basaltischen Gesteinen und Akerit-Typen. Es gibt auch fluidale Lathus-Porphyre mit maximal 2 mm langen Feldspäten und ebenso großen Einschlüssen.
Homogener Lathus-Porphyr hat ebenfalls eine dichte, schwarzblaue Grundmasse mit einem wechselnden, meist sehr niedrigen Anteil trüber Feldspateinsprenglinge. Einschlüsse kommen kaum vor.
Neben dem genannten Lathus-Porphyr gibt es über das Oslogebiet verstreut viele Vorkommen von sauren Porphyren ohne Quarzeinsprenglinge (u. a. Saether 1962), wie:

- rotgrauer und hellgrauer Syenitporphyr mit wenigen großen Feldspäten (Nittedal-Typ);
- schwarzblauer Porphyr mit körniger Matrix und von Alkalifeldspat ummantelten Plagioklaskristallen (Byvatn-Typ);
- mit vielen, stark abgerundeten Feldspateinsprenglingen (Østern-Typ);
- mit einer roten Matrix und einer geringen Anzahl rhombischer oder linsenförmiger Feldspäte (Raufjellås-Typ);
- mit einer violetten Grundmasse und 1 – 3 mm langen Kalifeldspäten (Sørkedal-Typ).

Für das Bestimmen dieser Varianten ist der Vergleich mit Handstücken aus dem Muttergestein notwendig.
Sphärolithischer Porphyr kommt an unterschiedlichen Plätzen im Oslogebiet vor, u. a. bei Lathusåsen, wo das Gestein reich an bis ca. 5 mm großen Kügelchen ist. Tatsächlich handelt es sich bei einer solchen Morphologie um einen auf einem Feldspateinsprengling entstandenen Strahlenkranz. Im Sörkedal kommt ein Typus vor mit einer sehr feinkörnigen lachsfarbenen Matrix und mm großen, etwas dunkleren, strahlenden „Sonnen“ mit einer breiten, weißen Randzone. Bei Ullern-Husebyåsen (Dons 1952) gibt es einen schmalen Gang mit einem Sphärolith-„Felsit“-Porphyr, in dem 2 – 4 mm große, weiße oder graue kugelförmige Körper vorherrschen. Einige besitzen einen Kern aus einem oder mehreren Körnchen Alkalifeldspat und Quarz. Die scharf gegen die dunkelrote oder violette Grundmasse abgegrenzten Kugeln bestehen aus helleren und dunkleren Schalen; einige dieser Kugeln sind zu unregelmäßigen Knotengebilden verwachsen.


Porphyre mit Quarzeinsprenglingen (Oslo-Quarzporphyr), S. 414.
Grundmasse dicht und sehr feinkörnig; blaugrau, dunkelviolett, braun, rosé, rot, weiß, weißgelb; gewöhnlich homogen, manchmal jedoch mehr oder weniger fein fluidal ignimbritisch; Feldspateinsprenglinge klein, rötlich, rechteckig, in wechselnder Anzahl; Quarzkörner kleiner als die Feldspäte, abgerundet.

Verstreut über das Oslogebiet finden sich Gänge und kleine Decken aus saurem Porphyr mit Quarz- und Feldspateinsprenglingen. Sofern sie in Gängen entstanden sind zeigen diese Porphyre eine sichere Verwandtschaft. Die Übereinstimmung besteht hauptsächlich in der Form der (kleinen) Feldspäte (der Anlage nach rechteckig) und der (noch kleineren) Quarzkörner (der Anlage nach idimorph), ferner in den tiefgehenden Folgen von Korrosion (Feldspat mit Aushöhlungen, abgerundeter Quarz). Obwohl mehrere dieser Vorkommen, u. a. durch Brögger, Saether und Nystuen, in Publikationen beschrieben und lokalisiert wurden, manche ergänzt durch ausführliche mikroskopische Untersuchungen, sind die Angaben zu den megaskopischen Merkmalen (Bestimmung mit Hilfe der Lupe) summarisch und unvollständig. Dies erlegt uns Beschränkungen auf; eine kurze Charakterisierung einzelner Varianten muss genügen. Die beiden Porphyre von der Baerum-Caldera stellen das bekannteste Vorkommen im Oslogebiet dar; andere Gangporphyre ähneln ihnen in vielem, aber Korngröße und Farbe der Grundmasse variieren. Auch Porphyrdecken mit einer dichten Matrix (muschelförmiger Bruch) gibt es viele.
Porphyr von Torvöskjaer (Baerum-Caldera): Die Länge des Gangs beträgt 7 km, die Breite 10 – 15 m. Die für das Auge so gut wie dichte Grundmasse ist (mikr.) häufig sphärolithisch. Es gibt sehr viele rechteckige, rötliche, bis 5 mm lange Kalifeldspäte; auch die Anzahl stark abgerundeter Quarzkörner (kleiner als die Feldspäte) ist groß.
Porphyr von Snaröysund (Baerum-Caldera): Die Länge des Gangs ist 5 km, die Breite 4 – 8 m. Auch hier eine annähernd dichte Grundmasse, die (mikr.) öfters sphärolithisch aussieht; die Farbe ist weiß oder gelbweiß. In diesem Typus sind Feldspateinsprenglinge sporadisch vorhanden; sie sind unauffällig. Über das Gestein verstreut finden wir eine geringe Anzahl bis max. 1 bis 2 mm große, abgerundete Quarzkörner. Kleine gelbbraune Pyritwürfelchen sind kennzeichnend.
Porphyr vom Hurdal (südlich vom Mjösasee): Die Grundmasse ist sehr feinkörnig, stellenweise fluidal, ignimbritisch. Die Farbe ist hellgrau oder rosé. Die mehr oder weniger idiomorphen, rötlichen Alkalifeldspateinsprenglinge haben eine Länge von 0,1 – 5 mm; die Quarzeinsprenglinge sind von gleicher Größe wie die Feldspäte. Quarz- und Feldspateinsprenglinge zusammen nehmen im Allgemeinen ca. 7 % des Gesteinsvolumens ein (Nystuen 1975).
Die weiteren Quarzporphyre und die mit der Lupe häufig kaum von ihnen zu unterscheidenden Kristalltuffe, auch wohl als Rhyolith (-Kristalltuff) bezeichnet, kommen an verschiedenen Orten vor. Die Grundmasse ist dicht und hart, fluidal, aber die Fließlinien treten gewöhnlich nicht deutlich hervor. Eine Verwitterungsfläche gibt häufig Auskunft. Tuffsplitter lassen sich mit der Lupe nicht erkennen. Die Farbe der Grundmasse ist meist blaugrau, auch braun. Als Einsprenglinge treffen wir auf 1 – 4 mm lange, rote und gelbe Feldspäte und bis 2 mm große, graue Quarze. Sie sind infolge von Korrosion angefressen, ausgehöhlt (vor allem die Feldspäte) oder stark abgerundet (vor allem die Quarzkörner). Die Quarzporphyre aus dem Oslogebiet enthalten sehr wenig dunkle Minerale.
Nach Huizinga (1969) sollen in dem von ihm benannten „Drammen-Quarzporphyr“ zuweilen Einschlüsse aus lavaartigem Material vorkommen..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988, S. 413
 
 
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