Oslo-Gebiet  -  Magmatite  -  Hedrumit

Wo W. C. Brøgger forschte, beschrieb er die Gesteine sehr eingehend im Hinblick auf mineralische Zusammensetzung und Textur. Er differenzierte lokale Abweichungen sorgfältig und wählte zur Kennzeichnung unterschiedliche Lokalnamen. Als "Hedrumit" beschrieb er nephelinarme Endglieder der Foyait-Reihe innerhalb des Larvik-Komplexes: 
"Die typischen Foyaite des Lougenthales sind recht grobtafelige Ganggesteine mit reichlichem Gehalt an Nephelin, in der Regel mit Begleitung von Sodalith, zusammen häufig mehr als 1/3 der Gesteinsmischung ausmachend. Gleichwie in der Serie der tinguaitischen Gesteine, wie ich früher nachgewiesen habe, alle Übergänge zwischen nephelinreichen Tinguaiten und nephelinfreien (auch quarzfreien) Sölvsbergiten vorkommen, so finden sich nun auch in der Serie der Foyaite ganz allmähliche Übergänge zwischen den typischen, nephelinreichen Foyaiten und den nephelinarmen bis ganz nephelinfreien, mehr oder weniger grobtafeligen trachytoiden hypabyssischen Gesteinen, welche also den Sölvsbergiten entsprechen. Ich habe derartige Gesteine schon mehrmals früher nach dem Kirchspiel Hedrum, wo sie häufig vorkommen, als Hedrumite bezeichnet..."  (Brøgger 1898, S. 183)
Le Maitre 2005: "Lokalname für eine porphyrische, feinkörnige Varietät eines Alkalifeldspatsyenits mit trachytischem oder foyaitischem Gefüge, hauptsächlich aus Mikroklin-Mikroperthit bestehend. Die Grundmasse ist biotitreich und enthält geringe Mengen an Natrium-Amphibol, Ägirin sowie Nephelin." 
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, Universität Greifswald, BGR Berlin u. a.:  
Hedrumit Hedrumit
Vestrum (Brøgger) Vestrum Hedrumveien Fjaereåsen
Hedrumit Hedrumit Skirstad Hedrumit, Skirstad Hedrumit
Delingsdalen Skirstadtjernet Skirstad Skirstad
Hedrumit    
Svenådalen Röstjern    
       
       
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 387:
Hedrumit
"... Hell getönter, (hellroter, roter, grauer) Syenit; mittel- oder feinkörnig; sehr viele mehr oder weniger parallel liegende dünnplattige Feldspäte; parallel angeordnete, dunkle Minerale; wenig oder kein Nephelin; kein Quarz; keine schwammartige Verwitterungsrinde; viele Bestandteile sind annähernd idiomorph; relativ biotitreich; kein eigenständiger Plagioklas.

Glimmer-Hedrumit, wie er zwischen Gjona und dem Lyseböfjord (Brögger 1898) vorkommt, ist ein mittelkörniges, rotes, lagenweise schwarz geflecktes Gestein mit einer Menge schöner, subparallel liegender, bis 1 cm großer Feldspattafeln. Die schwarzen, aus Lepidomelan aufgebauten Fleckenreihen liegen parallel zu diesen Feldspäten. Deren feinere Zwischenmasse ist etwas dunkler gesprenkelt durch die bis einige mm großen, schwarzen Lepidomelan-Kristalle. Der Gehalt an Nephelin ist unbedeutend. In Geschieben wird er oft schwer aufzufinden sein. Titanit, Apatit und Eisenerz sind die wichtigsten Akzessorien. Quarz kommt nicht vor. Der dünnplattige Feldspat besteht aus Mikroklinperthit.
Ägirin-Glimmer-Hedrumit (u. a. östlich des Åsrumsees) ist mittelkörnig, hellrot. In diesem Typ sind die Zwischenräume zwischen den größeren Feldspäten (Länge 5 – 8 mm) ausgefüllt mit Ägirin und Plagioklas (Albit) sowie etwas Nephelin und schwarzem Lepidomelan. Die Akzessorien entsprechen dem Glimmer-Hedrumit. Auch hier fehlt Quarz. Manchmal ist das Gestein grau und arm an dunklen Mineralen (Fjaereåsen). Durch einen extrem hohen Gehalt an 5 – 8 mm großen Feldspäten ist hier der trachytische Charakter deutlich. Nephelin liegt bei weniger als 1%. Quarz fehlt.
Porphyrischer Hedrumit ist u. a. entlang des Oslofjords zu finden. Es ist ein hellrotes, mittel- bis feinkörniges, trachytisches Gestein. Er besteht aus einer Hauptmasse, die vor allem aus dünnen, subparallelen, 1 – 3 mm großen Kalifeldspäten (Mikroperthit) aufgebaut ist. Häufig sind diese Feldspäte Karlsbader Zwillinge. Bis 1 mm große dunkle Minerale (Lepidomelan, weitere Akzessorien) sind zahlreich vorhanden. Nephelin und Quarz fehlen. Der porphyrische Charakter wird hervorgerufen durch vereinzelte, bis 1 cm große Einsprenglinge aus Kalifeldspat.
Der Hedrumit von Skirstad-Kjern (nordwestlich von Oslo) hat ein eigenes Erscheinungsbild. Diese perlgraue Variante wird dominiert von einzelnen nur mm langen, sehr dünnen, in gleichgerichteten Bändern („Strömen“: Brögger 1898) liegenden Feldspattäfelchen. Der Raum zwischen diesen Feldspäten wird gefüllt durch:
einigen Nephelin, zum Teil auch Albit, ferner durch reichlich Lepidomelan, sehr wenig Pyroxen sowie Erz und schließlich recht viele schöne Apatitnadeln. Das trachytische, stark linierte Gestein, das auf den Lagerungsflächen glänzt durch die Anhäufung von Lepidomelan, ist mitunter schwach porphyrisch durch einzelne bis 5 mm große Feldspat- und Pyroxeneinsprenglinge. Da dieser besondere Hedrumit auf einen 15 m breiten Gang beschränkt ist, ist die Aussicht auf einen Geschiebefund sehr gering. Das Gestein wird in der modernen Literatur (Dons & Larsen 1978) ein „nephelinhaltiger, biotitreicher Alkalifeldspat-Mikrosyenit mit einem trachytischen Gefüge“ genannt.
Hedrumit ist nah mit dem trachytischen Nephelinsyenit verwandt, in den er bei Zunahme des Nephelingehaltes auf mehr als 10 % übergeht. Chemisch vollkommen ist die Verwandtschaft mit Pulaskit. Saether (1962) sah darum ausreichend Anlass, um Hedrumit als einen „relativ feinkörnigen Pulaskit mit tafelförmigen Feldspäten“ aufzufassen, der gangförmig in (nicht trachytischen) Pulaskit-Massiven auftritt..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988, S. 387
 
 
Literatur:
Brøgger W.C.1898: Die Eruptivgesteine des Oslogebietes. III. Das Ganggefolge des Laurdalits, Kristiania 1898
Brøgger W. C. 1932: Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932
Petersen J.S. 1978: Structure of the larvikite-lardalite complex, Oslo Region, Norway, and its evolution. Geologische Rundschau, 67, 330–342.

Ramberg Ivar B. et al. 2008: The making of a land: geology of Norway, NGU Trondheim 2008,
ISBN 978-82-92-39442-7

 
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