Oslo-Gebiet  -  Magmatite  -  Oslo-Essexit

Die Essexite des Oslo-Gebietes bilden eine variantenreiche, basische bis ultrabasische Gesteinsgruppe. Die Unterschiede betreffen das Verhältnis von dunklen und hellen Mineralen, die Art der Mafite sowie die Zusammensetzung des Plagioklas'.
Neumann (1978 S. 26): "Die Oslo-Essexite treten in mehr als zehn Vulkanschloten auf. Das Hauptgestein ist ein Gabbro mit überwiegend alkalischer bis quarz-tholeiitischer Zusammensetzung, aber auch Pyroxenite, Anorthosite und Diorite kommen häufig vor. Die einzelnen Schlote sind petrographisch komplex. Oft sind zwei Gesteinskörper verzwillingt anzutreffen - einer mit alkalischer, der andere mit tholeiitischer Zusammensetzung (Ramberg 1970). Die Gefüge variieren von feinkörnig bis grobkörnig und porphyrisch. Die Hauptminerale (auch als Einsprenglinge) sind Olivin, Titanaugit (häufig gesäumt), Titanamphibol und umsäumter Plagioklas. Als Akzessorien treten auf: Quarz, Biotit,  Alkalifeldspat, Apatit, Ilmenit, Magnetit, Sphen und Zirkon. Nephelin konnte ebenfalls festgestellt werden."
Essexite entstanden in Kraterschloten als "älteste Spaltungsprodukte des Stammmagmas" (Brøgger 1906) und sind überwiegend als mittel- bis grobkörnige Plutonite (abyssische Gesteine, z. B. Pyroxenit und Kauaiit), aber auch als feinkörnige Ganggesteine (hypabyssische bzw. subvulkanische Gesteine, z. B. Essexitporphyrit, Camptonit, Kersantit) ausgebildet.

 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, BGR Berlin, Uni Greifswald und Sgl. A. P. Meyer, Berlin:  
Essexit:
Essexit Essexit
Berget, E Sølvsberget (Brøgger) Insel Tofteholmen (Brøgger) Husebyåsen (Brøgger) Ramvikholmen
Hornblendeessexit      
Brandbukampen      
Handstücke Sgl. A. P. Meyer:
E Sølvsberget  E Sølvsberget E Sølvsberget Ullernåsen
Tofteholmen Tofteholmen SE Ramvikholmen SE Ramvikholmen
       
Kauaiit:      
Ullernåsen Ullernåsen Ullernåsen Ullernåsen
Kauaiit Kauaiit
Ullernåsen Oslo, Lövenskiöldvei Oslo, Lövenskiöldvei Oslo, Smithsvingen
     
SE Husebybakken      
       
Pyroxenit:
Pyroxenit
Aurenhågån Vealøs Husebybakken Ramviksholmen
Oslo-Essexit Oslo-Essexit Pyroxenit  
Steinbruch Huseby Husebykollen Steinbruch Huseby  
feinkörnig:      
Oslo-Essexit      
Husebykollen      
Bojit
     
Brandbukampen      
Geschiebefund:
     
FO: Hoekholz, SH      
 
 
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 397 ff:
Oslo-Essexit

"... Gewöhnlich grau („schwarz-weiß“), mittel- oder grobkörnig und gleichkörnig; weniger häufig feinkörnig und porphyrisch; gleichmäßig große Feldspäte, mehr oder weniger parallel; bis 40 % dunkle Minerale, vor allem Augit (zuweilen überwiegend Hornblende), immer etwas Biotit; häufig Olivin; Erz und Apatit akzessorisch; viel Plagioklas und meist wenig Orthoklas; manchmal Spuren von Quarz; kein Nephelin; kennzeichnend sind zonare Minerale (u. a. Augit und Plagioklas).
Zum Oslo-Essexit wird eine Gruppe basischer Tiefen- und Ganggesteine gerechnet, die verschiedene Vertreter enthält. Sie kommen verstreut im Oslo-Gebiet vor. In der Regel enthalten die Gesteine kein Nephelin, im Gegensatz zum echten Essexit, in dem dieses Mineral per Definition als Hauptbestandteil auftritt. Petrographisch ist jedes Vorkommen sehr komplex; es stellt eine nicht zu erfüllende Aufgabe dar, alle Geschiebe aus Oslo-Essexit zu erkennen.
Der Haupttyp ist Essexit-Gabbro, aber es zählen auch (Monzo-)Diorit, Pyroxenit und Anorthosit dazu (Neumann, in Dons & Larsen 1978). Akerit desgleichen wird als Oslo-Essexit angesehen, jedoch hier gesondert besprochen, ebenso Pyroxenit.
Der Habitus ist sehr variabel. Es kommen sowohl fein- als auch grobkörnige, in beiden Fällen gleichkörnige Typen vor. Ferner gibt es porphyrische Varianten mit einer ziemlich feinkörnigen Matrix: Oslo-Essexitporphyrit (nicht zu verwechseln mit Oslo-Basalt mit sehr schmalen Feldspatleisten und manchen Rechteckporphyren. Die bedeutendsten Minerale sind Titanaugit, Olivin und zonar aufgebauter Plagioklas. All diese Minerale können auch als Einsprenglinge auftreten. Quarz, Alkalifeldspat, Biotit, Apatit, Zirkon und Erzkörner kommen als Akzessorien vor...


Kauaiit
ist ein nephelinfreier Augitessexit ohne Sodalith und Cancrinit. Petrographisch gehört er zu den Monzodioriten. Das Gestein hat jedoch ein gabbro- oder diabasartiges Aussehen; es kommt sowohl gleichkörnig als auch porphyrisch vor und kann eine leichte Einregelung zeigen. Die Matrix des porphyrischen Typs ist schwarz-weiß gefleckt und enthält bis 3 cm lange, abgerundete, der Anlage nach rhombische, einschlussreiche, weiße Plagioklaskristalle. Von den dunklen Mineralen sind bis rund 5 mm große Augit-Stäbchen und Biotitblättchen zu nennen. Der porphyrische Kauaiit enthält viel Plagioklas, meist auch viel Augit und immer einigen Olivin. In Typen mit einem verhältnismäßig niedrigen prozentualen Augitgehalt sind Feldspat, Biotit und Erz reichlicher vertreten. Apatit ist das bedeutendste akzessorische Mineral....


Pyroxenit
(Jacupirangit)
"... Von dem schwarzen, sehr harten und zähen Gestein kommt im Oslogebiet ein Typ vor, der sich vom Pyroxenit anderer Herkunft in Skandinavien recht gut unterscheiden lässt. Der betreffende Typus besteht zu etwa vier Fünftel aus Augit und der Rest aus Erz (Titanomagnetit). Andere Minerale, wie unter anderem Nephelin, Apatit, Perowskit (ein Kalziumtitanat) und Melanit (ein metallisch glänzender, schwarzer Granat) treten nur als Akzessorien auf und spielen für die megaskopische Bestimmung keine wesentliche Rolle. Auch Feldspat kommt in dem schwarzen Gestein nicht oder kaum vor. Die Volumenanteile der Hauptminerale Titanaugit und titanhaltiger Magnetit sind kennzeichnend für die Alkalipyroxenit-Variante, die als Jacupirangit bekannt ist (nach dem Tal von Jacupiranga in Brasilien).
Gemäß norwegischen Forschern hat der Jacupirangit im Oslogebiet zwei Erscheinungsformen (zusammengefasst in Hesemann 1975):
-  Als hypidiomorph-körniges Aggregat aus 5 – 20 mm langem, idiomorphem, kurvig korrodiertem, säulenförmigem Augit 
   zusammen mit Titanomagnetit; dieses Variante ist grobkörnig.
-  Als Porphyrit mit bis 25 mm langen Augiteinsprenglingen in einer grauschwarzen felsitischen Grundmasse.
Der geringe Umfang des Oslogebietes rechtfertigt die Annahme, dass dies metallglänzende, schwarze Gestein als Geschiebe sehr selten sein wird. Da die porphyrische Variante sehr beständig gegenüber der Verwitterung ist (wobei die Augiteinsprenglinge als idiomorphe Buckel herausstehen) ist die Chance auf einen Fund des zweiten Typs an Stellen mit vielen Oslo-Gesteinen sicher möglich. Man achte also auf sehr schwere, schwarze Geschiebe mit großen schwarzen Augiteinsprenglingen, kurz gesagt auf Typen mit nahezu 100 % dunklen Mineralen..."

Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
 
Literatur:
Barth T. F. W. 1944: Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region II. Systematic Petrography of the Plutonic Rocks. Skri. Norske Videns-akad. i Oslo, Matematisk naturvitenskapelig klasse. 9
Brøgger, W.C., 1933: Die Eruptivgesteine des Oslogebietes: VII. Die chemische Zusammensetzung der Eruptivgesteine des Oslogebietes. Skrifter, Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1933
Le Maitre R. W. et al.: Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms: : Recommendations of the International Union of Geological Sciences Subcommission on the Systematics of Igneous Rocks. Cambridge University Press 2005.
Neumann, E.-R. 1978: Petrology of the plutonic rocks in: Dons J. A.& Larsen B. 1977: The Oslo Paleorift. A Review and Guide to Excursíons. NGU Universitetsforlaget 1978.

Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden

siehe auch: http://rruff.geo.arizona.edu/doclib/MinMag/Volume_43/43-331-913.pdf
 
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