Oslo-Gebiet  -  Ganggestein  -  Sølvsbergit

W. C. Brøgger führte diesen Gesteinsnamen im Laufe seiner eingehenden Untersuchungen der Gesteine der Oslo-Provinz ein. Nachfolgend als Leseprobe die einführenden Sätze seiner Darstellung des Sølvsbergits (aus Brøgger 1894, S. 67):

"Unter diesem gemeinsamen Namen sollen hier eine Anzahl verschiedener Ganggesteine zusammengefasst werden, welche sich, was die mineralogische Zusammensetzung betrifft, wesentlich durch einen weit geringeren oder sogar fehlenden Quarzgehalt, bei sonst ziemlich gleichartiger Zusammensetzung, von den Groruditen unterscheiden. Es sind demnach mittel- bis feinkörnige Ganggesteine, bestehend aus vorherrschenden Alkalifeldspäten (meistens Albit und Mikroklin) mit Ägirin; statt des letzteren stritt bei den basischeren Gliedern bisweilen Hornblende (Katophorit), bisweilen auch ein eigentümlicher Glimmer vikarierend (= stellvertretend) auf; bei den am meisten basischen Gliedern fehlt der Quarz und Nephelin findet sich ein.
Die Struktur ist bei den untersuchten norwegischen Vorkommen immer durch stark ausgebildete Tafelform der Feldspäte ausgesprochen fluidal, oft eine rein typische Trachytstruktur, sehr häufig ohne Einsprenglinge und nie mit mehr hervortretender porphyrartiger Ausbildung; die Gesteine dieser Reihe sind deshalb oft auffallend schiefrig (primär-schiefrig). Die Farben sind bei vorherrschendem Ägirin unter den dunklen Mineralen gewöhnlich charakteristisch grün, oder graugrün bis grüngrau oder bei herrschendem Katophorit und Arfvedsonit mehr bläulich grüngrau, gewöhnlich mit etwas dunkleren Farbennuancen, seltener bei gröberem Korn und geringerem Gehalt an dunklen Mineralen auch etwas heller gefärbt. Diesen typischen, äußerlich den Phonolithen oder Phonolith-Trachyten ähnlichen Ganggesteinen schließt sich auch eine Anzahl abweichender, genetisch verwandter Typen nahe an, teils solche mit abnehmendem Gehalt an dunklen Mineralen, unter Beibehaltung der schiefrigen Trachyt-Struktur, teils auch solche, welche durch Ausbildung einer mehr hervortretenden Porphyrstruktur in Syenitporphyre übergehen..."
 
Handstücke aus dem Anstehenden, BGR Berlin, Universität Greifswald und Sgl. A. P. Meyer:
Sølvsbergit Sølvsbergit Sølvsbergit
Tjose (Brøgger) Tørtberg Gran Sølvsberget
Sølvsbergit
Augedal Sølvsberget Sølvsberget Sølvsberget
       
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 404:
Sølvsbergit
"... Matrix dicht, felsitisch; eingeregelte, glänzende Mineralteilchen auf der Bruchfläche; Matrixfarbe graugrün (manchmal blaugrün); meist ohne Einsprenglinge; selten leicht porphyrisch durch vereinzelten Feldspat bis 10 mm; keine Quarz- und Ägirineinsprenglinge; auf dem Bruch rau anfühlend, immer etwas liniert.

Der Haupttypus des Sølvsbergit ist mit dem Grorudit verwandt. Beide Gesteine enthalten kein Nephelin und sind dadurch gut gegen Verwitterung beständig. Die felsistische, dichte bis sehr feinkörnige Grundmasse ist gewöhnlich grün, graugrün oder grüngrau. Das Gefüge ist fluidal, trachytisch als Folge der subparallelen Anordnung der winzigen Feldspäte. Alles ist so winzig, dass diese Merkmale sich mit der Lupe gewöhnlich nicht nachweisen lassen. Darüber hinaus enthält die Grundmasse ziemlich viel Ägirin und zuweilen auch einigen Quarz. Anstelle des Ägirin können auch Hornblende und Glimmer vorkommen. Wenn Ägirin fehlt, ist die Farbe des Gesteins gelblich weiß.
Weißer, dunkel gestreifter Sølvsbergit ist feinkörnig, nicht porphyrisch. Dieser Typus ist zu erkennen an dem mit der Lupe nachweisbaren fluidalen, trachytischen Gefüge der Grundmasse (mit 0,5 – 1,5 mm großen, eingeregelten Feldspäten) und dunklen Streifen aus ebenfalls bis 1,5 mm langen Hornblende- (und Ägirin-) Kristallen. Zwischen den weißen Feldspäten befindet sich etwas Quarz als Füllmasse.
Hornblende-Sølvsbergit aus dem Lougendal ist sehr feinkörnig, blaugrün bis blaugrau. Das dunkel wirkende Gestein, das in der Verwitterung eine viel hellere Tönung erhält, ist einigermaßen liniert auf Grund des trachytischen Gefüges der Matrix. Die Grundmasse ist reich an feinen Hornblendestängelchen.
Sølvsbergit gehört petrographisch zu den nephelinfreien Tinguaiten.
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
 
Literatur:
Brøgger W.C.1894: Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes I. Die Gesteine der Grorudit-Tinguait-Serie - Videnskabsselskkabets Skrifter (I) Matematisk-Naturvidenskapilig Klasse, Kristiania 1894
Brøgger W. C. 1932: Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
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