Oslo-Gebiet  -  Ganggestein  -  Grorudit

W. C. Brøgger wählte diesen Gesteinsnamen gemäß der Fundlokalität der Erstentdeckung bei dem Dorf Grorud, N Oslo. In seiner Veröffentlichung zu der Grorudit-Tinguait-Serie beschreibt er das Gestein ausführlich und führt etliche Vorkommen dieses charakteristischen Ganggesteins an (Brøgger 1894, S. 5-66).
 
 
Handstücke aus dem Anstehenden, Geozentrum Hannover, BGR Berlin, Universität Greifswald u. a.:
Grorudit Grorudit Grorudit Grorudit
Grussletten (Brøgger) Tørtberg (Brøgger) N Grorud kirke  Grorud 
    W Ramnkollen   W Ramnkollen  W Ramnkollen Grussletten 
 
 Grorud   Linderudkollen S Linderudkollen  
       
       
Beschreibung aus Zandstra 1988 (s. u.) S. 405:
Grorudit
"... Matrix sehr feinkörnig, quarzitisch, grün, graugrün oder blaugrün, homogen oder etwas fluidal (und dann die Einsprenglinge mehr oder weniger in Reihen); porphyrisch durch kleine, hellfarbene Feldspäte (häufig gruppiert) und wenige, mm lange schwarze Ägirinnadeln (selten 1 cm lang); kein Nephelin; keine Quarzeinsprenglinge, rauer Bruch.
Das Gestein ist nach dem Dorf Grorud benannt. Es wurde von Brögger in der Nähe des Dorfes als Gangfüllung in der Wand einer alten Kupfergrube in den 90er Jahren des 19. Jh. entdeckt. Später wurde dieser Typus auch von anderen Lokalitäten (Varingskollen, Movand, Gruvsletten) gemeldet. Grorudit hat eine charakteristische grüne Färbung, die durch viel Ägirin in der Grundmasse verursacht wird. Im Allgemeinen nimmt die Intensität des Grüns zu je feiner die Matrix ist. Deshalb zeigen Handstücke verschiedene Tönungen: blaugrün, grün, graugrün oder grau mit einem grünen Anstrich. Auch kann die Farbe lagenweise kleine Unterschiede zeigen. Durch den Quarzgehalt der Matrix (10–40 vol.%) handelt es sich um ein zähes Gestein. Dass vom Grorudit im Neolithikum Faustkeile hergestellt wurden, lässt sich bei diesem grünen Gestein (gerade wie bei Jade) wohl gut verstehen (Brögger 1894). Das Grün wird gewöhnlich unterbrochen durch einzelne oder größere Mengen von max. 5 (selten 10) mm langen, rötlichen, gelben oder weißen, undurchsichtigen Feldspateinsprenglingen (meist perthitischem Kalifeldspat). Die Kristalle sind rechteckig bis unregelmäßig und bilden vielfach Anhäufungen. Es gibt auch Varianten, in denen die Feldspateinsprenglinge winzig und unauffällig sind. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass zusätzlich meist etwas Plagioklas in der Einsprenglingsgeneration vorhanden ist. Auch Ägirin kommt meist als Einsprengling vor; die schwarzen Nadeln sind relativ klein, in der Regel 0,5 – 3 mm, selten bis 2 cm lang. An der Lokalität Gruvsletten sind auch kleine Hornblendeeinsprenglinge zu finden; als besondere Ausnahme wird dunkler Glimmer gefunden.
Die Grundmasse besteht aus Kalifeldspat, Plagioklas, Quarz und Akzessorien. Die Gesteinsbildung mutet diabasartig an (Lupe!). Meist ist in den Handstücken keine Paralleltextur wahrzunehmen. Sehr vereinzelt scheint ein leicht fluidales Gefüge vorzuliegen; diese Erscheinung ist bereits mit dem bloßen Auge an der Anordnung der Feldspateinsprenglinge und der Feldspatgruppen und manchmal auch an Bändern mit unterschiedlicher Farbintensität zu erkennen (vor allem bei starker Verwitterung sichtbar)..."
Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
 
 
Literatur:
Brøgger W.C.1894: Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes I. Die Gesteine der Grorudit-Tinguait-Serie - Videnskabsselskkabets Skrifter (I) Matematisk-Naturvidenskapilig Klasse, Kristiania 1894
Brøgger W. C. 1932: Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932
Hesemann J. 1975: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen, S. 206
Oftedahl C., Dons, J. 1957: Geological Guide to Oslo and District. Oslo, 1957

Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988
Zandstra J. G. 1999: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Backhuys Leiden
 
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